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Montag, 7. November 2011

Dichtung und Wahrheit (4): Der Adler der Frühe

Hatten Sie geglaubt, verehrte Leserschaft, ich hätte unsere kleine Serie "Dichtung und Wahrheit" vollends aus dem Hirn verbannt? Keineswegs. Nur gab es in den letzten Monaten dermaßen viel zu dichten und ... Hm, doch, gerade die Wahrheit wird bei der demnächst anstehenden Enthüllung eine große Rolle spielen. Doch noch ist es nicht ganz so weit. (Ich bin ja selbst gespannt wie kein Zweiter, gleichzeitig aber entschlossen, erst dann zu berichten, wenn es auch wirklich etwas zu sehen gibt.)

Bis dahin aber: Erinnern Sie sich an die ersten Kapitel des 'Adlers der Frühe', den unheimlichen Ritt Schwester Agnethas und ihres Bruders, des päpstlichen Legaten Wasmod von dem Knesebeck vom Augustinernonnenkloster gen Burg Bodenteich? Nein? Also, sorry, diese Szenen sind dermaßen schweinemäßig eindrucksvoll: Die können Sie nicht vergessen haben. Seien Sie ehrlich: Sie haben das Buch überhaupt nicht gelesen.



Nun, als Appetithäppchen an dieser Stelle: Ich bin die Strecke heute wieder einmal abgefahren (ohne den Schlenker über die Burganlage des Tempelritters Werner von Langenapel, zugegeben. Allerdings wäre das auch schwierig geworden, müssen wir dieselbe doch in die Gefilde der Dichtung einordnen.)

Etwas anders sieht es mit dem Augustinernonnenkloster selbst aus. Mit Sicherheit habe ich an dieser Stelle schon einmal erwähnt, aus welchem Grund es im Buch keinen Namen hat.
Das habe ich nicht getan? Nun, das Kloster "Insula Sancta Maria" (zu deutsch wohl: "Marienwerder"), geht auf die Grafen von Lüchow zurück, die die Anlage auch als Familiengrablege auseresehen hatten. Ja, das Kloster war Sitz eines Konvents von Augustinerinnen, aber anders als im Roman berichtet pflegte man in dieser Anlage nicht die "vita communis"; die Nonnen nächtigten nicht in einem gemeinsamen Schlafsaal, sondern besaßen kleine Häuschen auf dem Klostergelände, in denen sie, wenn ich mich richtig erinnere, zu zweit zusammenlebten. (Nein, um das klarzustellen: Ich erinnere mich nicht an die vorreformatorische Zeit. Ich habe in der Literatur recherchiert.)
Heute übrigens ist der Klosterort schlicht unter dem Namen Diesdorf bekannt.



Dies Dorf nun habe ich heute wieder einmal aufgesucht und auf dem Rückweg auch an der Stätte Halt gemacht, an der die Sekundärwelt so unvermittelt in unsere Erzählung einbricht - die Bodenteicher Seewiesen. An dieser Stelle hier im Bilde zu bewundern, bis ...

Genau, die große Überraschung ...

Bis demnächst, SEHR demnächst, wie ich hoffe, an dieser Stelle bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Sonntag, 7. August 2011

The Maismonster Project

Ich weiß, ich weiß, verehrte Leserschaft - ich hatte da was versprochen: Dieses Blog sollte zur vornehmsten Aufgabe haben, den Entstehungsprozess neuer unsterblicher Literatur zu begleiten. Nun ist das aber irgendwie ... nun, schwierig eben. Wenn ich nämlich schreibe, schreibe ich richtig, und unmittelbar im Anschluss an meinen letzten Eintrag an dieser Stelle habe ich mich auf das jüngste Projekt gestürzt, das nunmehr (will sagen: seit letzten Donnerstag) vollendet ist - vorläufig exklusive Epilog. Was genau es damit auf sich hat demnächst auf dieser Stelle.



Zuerst einmal sind nun ein paar Tage Luftholen angesagt. Der eine oder andere mag sich vielleicht an den Nachwuchsquellenfinder entsinnen, den wir sommers zu Gast haben - so auch seit letzte Freitag wieder. Mir persönlich ist dabei immer besonders wichtig, dass er einen kleinen Eindruck davon bekommt, wie das eigentlich ist, als Schriftsteller zu leben, wo genau die Inspirationen herkommen. Unheimlich, klaustrophobische Situationen etc. So haben wir uns heute einem Selbstexperiment unterzogen (vgl. Prof. Ingolf Helmbrecht im 'Babylon-Virus').



Unser Ziel war dabei das Bad Bodenteich Maislabyrinth. Und siehe da, klaustrophobisch war es durchaus. Mit zunehmender Sonneneinstrahlung kam eine regelrechte Auenlandatmosphäre auf ... oder, nein, sagen wir besser: wie im "Alten Wald" bei alten Weidenmann um die Ecke. Acht Hinweistafeln gäbe es zu finden, wurde am Eingang verkündet. Insgesamt sind wir - wenn ich richtig gezählt habe - auf sechs gekommen, wobei zwei davon identisch waren (nein, es war nicht DIESELBE, es sei denn, der Betreiber beschäftigt insgeheim Wichtel, die die Tafeln immer mal verrücken, was natürlich clever wäre). Und inspiriert fühlte ich mich dann tatsächlich. Als uns in einem Hohlweg zwei Damen samt Nachwuchs begegneten, hatte ich plötzlich ein "Bei den Skeletten einfach nach links" auf den Lippen. Das gequiekte "SKELETTE???" war noch Minuten später zu hören. Ich drücke die Daumen, dass sie's geschafft haben ohne den Monstren zu begegnen, denn man täusche sich nicht ... in diesem Sommer IST Bad Bodenteich ein VERDAMMT unheimlicher Ort ...



Bis demnächst an dieser Stelle bleibe ich Ihr und Euer Stephan M. Rother

Samstag, 17. Oktober 2009

What a mess (wieder mal)

Und so, verehrte potentielle Leserschaft, sind wir nun in Frankfurt angelangt, pünktlich zur Präsentation des Dorian Grave'schen Fluchs wie der Letzten Offenbarung. Welch ein Erlebnis! Der Baumhaus-Stand musste von gefährlich aussehenden Beamten bewacht werden, total uninformiert ... oops. Ein n zu viel. "uniformiert" meinte ich. Sprachechöre, kreischende und weinende junge Mädchen, sobald wir auftauchten.

Leider nicht meinetwegen, sondern weil mein lieber Kollege Klaus Baumgart und Til Schweiger ihr Buch "Keinohrhasen" präsentierten. Wir präsentieren ja erst heute. Hoffentlich sind die Mädels bis dahin wieder bei Stimme.



Anbei aber zumindest ein erster Eindruck von Blanvalet. Urban (dessen übrige Vornamen unbekannt bleiben müssen) Hofstetter und meine Wenigkeit vor drei Spalten Letzter Offenbarung. Bisher bin ich von keiner dunklen Gestalt angegriffen worden. Der einzigen, die mir über den Weg lief (Wolle Hohlbein mit Sonnenbrille) konnte ich eben noch ausweichen.

Ob das heute auch so glimpflich abgehen wird? Ich werde berichten, verehrte potentielle Leserschaft und bleibe bis dahin Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Dienstag, 13. Oktober 2009

Ausgeliefert

Nun also, verehrte potentielle Leserschaft, ist der Tag gekommen: Seit gestern wird mein bis dato wahrnehmbarstes "Oeuvre" (wie die regionale Presse formulierte),
Die letzte Offenbarung
nämlich, an den Buchhandel verschickt. Ausgerechnet in derselben Woche wie der neue Colt Seav... Sorry, der neue Dan Brown natürlich (regelmäßige Leser werden sich an einschlägige fiese Bemerkungen an dieser Stelle erinnern).



Ich gestehe ganz offen, dass ich einigermaßen aufgeregt bin: Wie wird ein Buch, das so eindeutig Publikumstitel ist, im Handel ankommen? Wird die ganz große Leserschaft sich im selben Maße von der Geschichte fesseln lassen wie ich selbst? Ist die Story im Kopf des Lesers so gewaltig wie in meinem eigenen? Und haben wir ausreichend caffè im Haus, falls die Herren von Opus Dei oder von der Pius-Bruderschaft reinschauen? Jedenfalls war's eine hübsche Koinzidenz, dass pünktlich zur Veröffentlichung der Bausparvertrag fällig wurde. Mit so einer neuen Sicherheitstür fühlt man sich doch irgendwie ... sicherer.

Und wärmer, sowieso. Ich meinte eben schon zu meiner Frau, der Winter stände ja jetzt vor der Tür. Wie sich dann herausstellte, war es aber doch der Kater ... Ja, Mephi, den ich Euch und Ihnen vor einigen Wochen vorgestellt habe. Er ist nun tatsächlich fest bei uns eingezogen - ich denke, das kann man so ausdrücken (von vorn nach hinten: Max, Mephisto, Maddy. Und, ja, das ist "die Bettwäsche von IKEA).



Aber Winter hin oder her: Das Fortschreiten der Jahreszeit ist kaum zu leugnen. Ein klein wenig beneide ich unseren Amadeo Fanelli, der "auf den Straßen des sonnigen Rom flanieren" kann, wie Professor Helmbrecht es in einer für einen der Nachfolgebände bestimmten Szene ausdrückt, an der ich gerade arbeite. Ich habe mir überlegt, dass diejenigen Leser, die vielleicht in diesen Tagen durch die Lektüre der 'Offenbarung' auf dieses Blog aufmerksam werden, an dieser Stelle möglicherweise auf die ein oder andere Hintergrundinformation zur Entstehung des Romans hoffen. Wenn Sie also bis hier gekommen und nicht spätestens bei der Katzengeschichte abgesprungen sind: Ja, ich hab das im Hinterkopf. Schauen Sie bei Interesse doch auch einmal auf die Blogeinträge aus den ersten Monaten des vergangenen Jahres (Januar/Februar 2008).

Je mehr ich drüber nachdenke, desto verführerischer wird die Vorstellung, wieder einmal "vor Ort" an einem Roman zu arbeiten. Bei den Mystery- und Gothic-Thrilern um die Fans des Schockrockers Dorian Grave ist das ja keine Kunst: Die spielen hier in der Region. Bei den Amadeo Fanelli-Geschichten verhält sich das etwas anders. Leider ist es mir in den letzten Jahren nicht gelungen, die Ewige Stadt noch einmal aufzusuchen. Lediglich die Rom-Szene am Beginn meines ersten Mitteltalter-Thrillers, "Der Adler der Frühe", ist auch tatsächlich in Rom entstanden. Doch ich glaube ganz ernsthaft, dass niemand, der die Hauptstadt der römisch-katholischen Christenheit einmal besucht hat, sich ihrem Zauber so ganz entziehen kann. Mir jedenfalls ging es so in dem kleinen Hotel in Prati, von der Via Oddone bzw. von Trastevere aus betrachtet also auf der anderen Seite des Vatikan. Vermutlich abgebrannt am Beginn des Romans. Schade eigentlich.

Das sind, zugegeben, noch nicht eigentlich Hintergrundinformationen - aber vielleicht haben Sie ja Lust, sich das aus erster Hand (oder: erstem Mund) anzuhören. Auf der Buchmesse möglicherweise? Wir werden von Freitag bis Sonntag vor Ort sein (Anmerkung an Opus Dei: Gebt's auf. Wenn wir nicht da sind, hat jemand ein Auge auf das Haus, und Mephi kann verdammt ungemütlich werden, wenn jemand sein Revier betritt, der da nicht hingehört.) Samstag um die Mittagszeit steht am Blanvalet-Stand ein Interviewtermin an, und ab 15 Uhr lese ich dann am Baumhaus-Stand (Halle 3.0 Stand C 142) aus dem "Fluch des Dorian Grave". Vielleicht sehen wir uns ja? Ich würde mich freuen.

Und ansonsten bleibe ich bis demnächst an dieser Stelle Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Freitag, 31. Juli 2009

Man hat sich bemüht

Ein zweiter Teil, verehrte potentielle Leserschaft, ist immer eine etwas merkwürdige Angelegenheit. J.D. Salinger hat bekanntlich vor kurzer Zeit alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um die von einem schwedischen Autor geplante Veröffentlichung einer Fortsetzung seines catcher in the rye zu verhindern. Nun hat man von Salinger seit etwa einem halben Jahrhundert quasi ausschließlich im Kontext gerichtlicher Auseinandersetzungen gehört, und ... Jedenfalls: Es gibt Autoren, die schreiben den zweiten Teil eines Romans selbst, und sie tun es sogar ganz freiwillig.

Wer meine Postings an dieser Stelle in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß, dass auch mich in der ersten Jahreshälfte ein solcher zweiter Teil umgetrieben hat - der Fluch des Dorian Grave in diesem Fall, ein neues Abenteuer um Leonie Hartheim und ihre Freunde, allesamt Fans des namengebenden, verblichenen Goth-Rock-Idols Dorian Grave. Seit Mitte Juli flucht jetzt mein Lektor Harald Kiesel ob dieses Elaborats. Ich bin schon äußerst gespannt auf seine Anmerkungen und bereite mich derweil ... nein, nicht auf einen dritten Teil vor (den wird es in dem Moment geben, in dem die Story von Neuem Anlauf nimmt und mich, frei nach Wolfram von Eschenbach, anspringt). Nein, ich arbeite zwar an einer Fortsetzung, verwandle mich dabei aber wiederum von einem sechzehnjährigen Gothic-Teenie in einen Restaurator von Mitte dreißig. Mit anderen Worten: Amadeo Fanelli ahnt noch nicht, welch neue Fährnisse seiner harren, aber ich ahne es. Eigentlich ist es sogar mehr als eine Ahnung. Exakt handelt es sich um ein vierseitiges detailliertes Exposé, an dem ich in diesen Tagen letzte Hand anlege. Sobald ich zufrieden bin, wird's Ereignis. Wahrscheinlich werde ich dazu in den kommenden Tagen noch einmal das Pergamon Museum aufsuchen.

Solche Inspirationen, die verehrte potentielle Leserschaft kann das ja regelmäßig verfolgen, sind wichtig für mich. Ich muss visualisieren. Ich muss ein Bild im Kopf haben, einen Klang, einen inneren Soundtrack zu dem Buch, an dem ich gerade arbeite. Für das neue Projekt könnte das Depeche Modes Songs of Faith and Devotion sein, eine Veröffentlichung, die so inspiriert und spirituell ist, wie es das aktuelle Album (Sounds of the universe) gerne wär'. Natürlich gibt es daneben ständig weitere, neue Anregungen durch Wort, Bild und Klang. Ich werde häufig gefragt, was ich eigentlich selbst lese. Einige Rezensenten scheinen besessen von der Vorstellung, ich würde Dan Brown rauf und runter studieren, dabei kenne ich ausschließlich die erste CD einer Hörfassung eines seiner zwei oder drei Bücher ... Eine obskure Geschichte über einen Einbruch im Louvre, bei dem die Protagonisten entkommen, indem sie irgendwie einen Sender oder ein Handy auf einen vorbeifahrenden LKW schmeißen und sich selbst im stillem Kämmerlein verstecken. Mit Verlaub, aber das gab's bei Colt Seavers jede Woche im Vorabendprogramm. Und die Story als solche - sie wird ja ausreichend kolportiert. Ich vermag nicht nachzuvollziehen, was daran reizvoll sein soll nach Umberto Eco. Wenn ich Eco und Colt Seavers kenne, was brauch' ich noch Herrn Brown? Vermutlich kennen seine Leser weder den einen noch den anderen. Sonst habe ich keine Erklärung.

Ich glaube, dass neue Ideen wichtig sind. Eine Geschichte, die von innen kommt, und in der der Autor so viel von sich gibt, wie er nur kann. "Man hat sich bemüht" lesen wir auf dem Grabstein von Willy Brandt, und ich finde, das kann von jedem Menschen erwartet werden zu jeder Zeit. Aus welcher Perspektive man meine Geschichte dann verfolgt, ist gar nicht so wichtig. Wenn es eine gute Geschichte ist, kann ich sie als Unterhaltungsroman lesen oder von mir aus auch als Literatur (wobei ich weder Walser, noch Böll, weder Grass, noch Frisch bin. Ich bin nicht mal Daniel Kehlmann. Aber Arno Schmidt, den mag ich, vielleicht weil er vor vierzig oder fünfzig Jahren an den gleichen Orten gewandert ist, an denen ich heute unterwegs bin, und uns gemeinsame Inspirationen verbinden).

Anfang der Woche waren wir an der Quelle an der Rückseite des Uelzener Krankenhauses, an der vergangenes Jahr die Bilder zum ersten Grave Video entstanden sind. Ein Eindruck, der mich ins Grübeln gebracht hat.

Der Blick im Juli 2008 - und im Juli 2009:



Erschreckend? Erschreckend.

Doch beim Erschrecken darf es eben nicht bleiben. An dieser Stelle müssen wir anfangen, uns Mühe zu geben.

Darüber, verehrte potentielle Leserschaft, werde ich in Kürze an dieser Stelle berichten und bleibe bis dahin Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Sonntag, 14. Juni 2009

Spätlese


Welches Bild, verehrte potentielle Leserschaft, macht sich der durchschnittlicher Leser eigentlich vom Alltag eines durchschnittlichen Autors? Gegenfrage: Den durchschnittlichen Leser, gibt es ihn? Und wenn ja - hätte er einen besseren Autor verdient als einen - eben - durchschnittlichen? Und umgekehrt.


(Im Bild: Klaus-Dieter Lindeck vom Kunstverein Meißen bei der Anmoderation zum "Dorian Grave")

Die Einstiegszeilen mögen, zugegeben, noch eine Spur wirrer anmuten als das an dieser Stelle Gewohnte. Wie kommt's?


Nun, zum Einen sicherlich eine Folge literarischen Overkills nach einem Wochenenden auf dem Literaturfest Meißen im Freistaat Sachsen, von dem ich samt Gattin just zurückkehre um spätlesetechnisch Zeugnis abzulegen.


Zum Anderen dürfte meine heutige Lesung aus dem "Mantel der Winde" ihren Teil beigetragen haben, die ich wider Anraten selbiger (nämlich der im vorangegangenen Satz versteckten Gattin) oben ohne absolvierte, so dass einstweilen noch nicht abschließend beurteilt werden kann, was die Sonne Sachsen im schütteren Schädel des Schreiberlings angerichtet hat.


Ich möchte diese Zeilen vor allem nutzen, um mich noch einmal ganz herzlich beim Publikum in Meißen und den Veranstaltern vom Kunstverein und ihren Partnern zu bedanken - dafür, dass sie dieses spannende und ambitionierte Projekt ins Leben gerufen haben und für die gastliche Aufnahme in der "Wiege Sachsens". Liebe Meißener, Ihr seid toll!


Es war eine tolle Erfahrung im Ambiente des historischen Meißener Marktes und eingerahmt von Profis aus Entertainment (die sympathische Puppenspielerin und Autorin Sabine Winter), Politik (Bundesminister de Maiziere) und Entertainment und Politik (Schauspieler und Ex-Bundespräsidentenkandidat Peter Sodann) vom Geheimnis des Dorian Grave und den Fährnissen rund um die Suche nach dem Mantel der Winde zu berichten.


Historische und Fantastische Literatur stand im Mittelpunkt der insgesamt viertägigen Veranstaltung. Dabei kamen von visionären Klassikern wie der divina comedia bis zu Genreveröffentlichung a la Joanne Rowling/Thomas Finn/Iny Lorentz die unterschiedlichsten Ansätze zu ihrem Recht. Ein ganz großes Bogen also, ein wahrhaft weites Feld ... Es ist ein wirklich tolles Gefühl, ein kleines Rädchen in diesem (im wahrsten Sinne des Wortes) fantastischen Kosmos gewesen zu sein. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.


Während ich mich nun bereit mache, das glühende Haupt mit einer Quarkpackung zu kühlen, bleibe ich bis zum nächsten Mal Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 9. Mai 2009

Eine lange Wegstrecke

Es ist schon eine ganze Ecke, verehrte potentielle Leserstrecke, wenn man vom einstigen Kloster Ebstorf aus in jene Region unterwegs ist, die die Leser des ersten Dorian Grave-Bandes grob als "Danlo" identifizieren können: Das hoch gelegene, wasserlose, sandige Land oberhalb der Quellentäler der Hardau, des Bornbachs, der Aue/Ilmenau, der Lutter und Lachte und ihrer Nebenbäche. Die Gegend also, in der man mich frei rumlaufen lässt. Vermutlich zählen die Wildschweine mich inzwischen zu den ihren.

Dennoch: Dieses Land ist dunkel und gefährlich. Vom dunklen Herz der Erde ist die Rede im Roman, und das nicht ohne Grund. Der Unkundige kann auf Wege geraten ... Aber, hey, wozu schreib ich einen zweiten Teil?

Heuer gibt es Bemerkenswertes zu vermelden: Für den 27. Mai ist die Veröffentlichung der Hörbuchfassung des Dorian Grave-Romans angekündigt. Grund genug für mich, dem Künstler meine Aufwartung zu machen:



Anlass war eine besondere Ehre, die mir zu Teil geworden ist. Immer wieder werde ich gefragt, wie sich Dorian Grave und seine Band "Dead Art" denn nun eigentlich anhören. Traurig genug, dass noch immer so wenige Menschen mit der Musik dieses beachtlichen Künstlers vertraut sind. Das mussten wir ändern, und so habe ich mich noch einmal auf die Spur des Soloalbums des verblichenen Mr Grave gemacht und mit tatkräftiger Unterstützung einer langen Reihe von Mitstreitern das offizielle Video zum Dorian Grave-Titel "On a long plain" abgedreht.



Ein aufregendes Unternehmen, das uns nicht allein in die finstersten Winkel dieses geheimnisvollen Landes führte, sondern auch an andere, nicht ganz so finstere Stätten der Handlung. Sehen, verehrte potentielle Leserschaft, Lauschen und Staunen. Und das Hörbuch auf den Einkaufszettel, logisch. Dann gibt's im Herbst auch die Fortsetzung, oder - wie Wally das Werschweinchen sagen würde ... Doch das ist eine andere Geschichte ("Der Fluch des Dorian Grave" nämlich), von der beizeiten zu berichten sein wird.

Für heute bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 18. April 2009

Am Schweinesuhl

Der Eisenbach? Der kommt aus einem Schweinesuhl!

So, verehrte potentielle Leserschaft, sprach Fred von Hartheim zu mir. Selbiger, sollte ich erläutern, nimmt eine nicht exakt definierte Position im Ensemble "Schafspelz" ein. Auf jeden Fall gehört er zur prominent vertretenen Rhythmussektion dieser Nachwuchsformation, mit der Lady Ginevra, meine langjährige Bühnenpartnerin, jetzt die Mittelaltermärkte dieser Republik unsicher macht. Ein Weg, den ich nicht mit ihr gehen konnte, den wir aber gespannt und mit Wohlwollen verfolgen.



Zurück zu Fred - oder besser zu seiner Aussage Eisenbach-bezüglich. Ich kannte Fred bisher nur als Installateur oder Installateursähnliches (irgendwas hat er hier mal repariert), doch als ich im August vergangenen Jahres seinen Künstlernamen "von Hartheim" hörte, wurde ich natürlich hellhörig. Der Name Hartheim wird den Lesern des Dorian Grave sicherlich vertraut sein, und sie werden sich an dieser Stelle möglicherweise fragen, wie Fred ihn schon vor Erscheinen des Romans kennen konnte. Verbalinspiration? Schon. Auf eine Weise. Allerdings war diese nicht über den Grave-Roman geschehen, sondern über meinen Debüt-Roman Der Adler der Frühe, und der lag schon eine Reihe von Jahren vor. Also nichts Übersinnliches - bis hier. Die Geschichte um Schwester Agnetha, den Franziskaner Bruder Björn, den Müller Benno und Amme Annafrid ist natürlich schon ziemlich spooky und antizipiert zumindest im Sinne des musikalischen Kontexts the shape of things to come. Mit anderen Worten: Bei näherem Hinsehen war mein Geschreibsel schon immer ein wenig sonderbar.

Aber wir waren beim Schweinesuhl - oder genauer gesagt: Ich war noch nicht dort - bis heute. Hierzu ist zu bemerken, dass am Ende des Adlers der Frühe von der Gründung eines Klosters an einem Ort namens "Hartheim" berichtet wird. Dieser Ort ist recht eindeutig verortet, und zwar jenseits der Hügel, die den mittelalterlichen Marktflecken Bodenteich im Westen überragen, vulgariter: Die Wierener Berge. Auch die Lage von Leonie Hartheims Heimartort Waldlingen (im Schatten mittelalterlicher Klosterruinen) kann der Ortskundige ungefähr bestimmen: Ein Stückchen östlich der Bundesstraße 4, anscheinend etwas südlich der Siedlung Breitenhees. Alles zusammengenommen ergibt recht gute Möglichkeiten zur Lokalisierung. Jedenfalls erscheint es nicht völlig unsinnvoll, Waldlingen und seinen Nachbarort Kerkendorf rund um die Heideorte Bokel und Nienwohlde zu suchen. Und aus Nienwohlde kommt er, der Eisenbach. Und der Fred. Fred von Hartheim also und der Schweinesuhl.



Ich war mir nicht vollständig sicher, was ich mir unter einem Schweinesuhl vorstellen sollte. Mir war lediglich bekannt, dass sich Schweine eben suhlen. Um Details zu kennen, war ich der Spezies einfach nicht vertraut genug. Im Zuge meiner quellenkundlichen Wanderungen nach Danlo hatte ich mir aber schon seit einiger Zeit auch den Schweinesuhl vorgenommen. (Zur exakten Lage Danlos möchte ich übrigens keine weiteren Angaben machen. Society must be protected. Und die Quelle erst recht.) Das Quellwasser der uralten Siedlungskammer rund um Wrestedt, Stadensen, Nettelkamp, Nienwohlde zählt zum reinsten und besten, das im Norden Deutschlands zu finden ist, auch wenn das Wasserwerk Stadensen II heute aus weit größeren Tiefen in unseren Wasserhahn fördert. Die Quellen versiegen, verwandeln sich in Schweinesuhle ... Nun, heute war es so weit.

Die Quelle des Eisenbachs liegt eingebettet in einen locus amoenus, dass dem Humanisten schier schwindlig wird. Da ist zunächst einmal der Ort Nienwohlde selbst (die Vorgängersiedlung +Bornwohlde konnte die Forschung bis heute nicht eindeutig identifizieren; das mach ich noch). Die Bewohner bessern dieser Tage gerade wacker die Einfahrt vor ihrem Spritzenhaus aus. Auch da muss es eine Quelle geben - sonst stände es nicht gerade dort. Vermutlich haben sie sich schon gewundert, warum dieser silberne Hyundai da neuerdings zwei Mal am Tag im Schritttempo vorbeifährt und auf den Straßen verschwindet, die nirgendwo hinführen. Nur zum Schweinesuhl. Im Norden erhebt sich der Höhenzug des Streisenbergs (eiszeitlich, wie fast alles hier), im Süden dies Ausläufer der Mollberge. Offenbar haben dort einmal Hügelgräber existiert - ob es deren Überreste sind, die ich gefunden habe, da bin ich mir nicht ganz sicher. Was ich gefunden habe, waren Steine. Viele Steine. Verflucht große Steine. Eines der Anfang der Woche durchwanderten Täler der Mollberge trägt übrigens den Namen "Bannhorst". Die genaueren Zusammenhänge werden dem aufmerksamen Leser klar werden, wenn er im Oktober den Fluch des Dorian Grave in Händen hält. (Vielleicht ist das für den einen oder anderen Leser sogar interessanter als Schweinesuhle & Spritzenhäuser: Der zweite Teil der Geschichte um Leonie Hartheim und ihre Freunde wird Herbst bei Baumhaus erscheinen, und was Sie an dieser Stelle lesen und Ihr an dieser Stelle lest, ist die Entstehungsgeschichte - auf eine Weise.)



Dieser Schweinesuhl ist ein faszinierender Ort. Ich hatte heute das Glück, auf Eingeborene zu stoßen, zwei Damen beim Walking. Es ist mir auf meinen Expeditionen immer sehr wichtig, in Kontakt mit den Eingeborenen zu kommen, auch wenn man manchmal etwas skeptisch angeschaut wird, wenn man fragt, ob das Wasser jener sumpfigen Senke wohl unter dem angrenzenden Feld hindurchsickert und auf der anderen Seite als Eisenbach wieder zum Vorschein kommt. Genau das geschieht nämlich! Wir könnten geradezu vom Danlo-Phänomen sprechen. Die Damen waren sehr freundlich zu mir, obwohl ich nicht genau erklärt habe, warum mir das alles so wichtig ist. Heute Abend merkte ich gegenüber meiner Frau an, dass man mich vermutlich für seltsam gehalten habe, und ob es nicht besser gewesen wäre, eine kurze Erläuterung meiner Intentionen zu geben. Sie ermunterte mich, besser weiter zu schweigen. Es wäre möglich, dass ich keine Auskünfte mehr erhielte, wenn den Leuten klar werde, wie seltsam ich tatsächlich sei.



"Das sind die Quellen dort unten", erklärten mir die Damen. Nein, das sei kein Oberflächenwasser. Das ist im Ort bekannt. "Die Quellen gehen dann weiter, überall im Ort. Und unter der Straße durch - und auf der linken Seite war dann früher der Teich." Die Welt, die uns umgibt, ist magisch. Diese Dinge sind uralt (nicht der Teich. Der war gestaut). Wir können nur stotternd nachbuchstabieren, was andere vielleicht als selbstverständliche Wahrheit wussten. Und über all dem liegt der Schleier des Geheimnisses.

„Alles auf der Welt hat mit allem zu tun“, sagt Rainer Hartheim am Beginn des zweiten Grave-Romans zu seiner Tochter. „Nur ist das oft auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Das, was wir Wirklichkeit nennen, ist nur Kulisse. Ein Vorhang, ein großes Stück Stoff, hinter dem sich die wahren Zusammenhänge verbergen.“



Rund um den Schweinesuhl ist das Gelände zu feucht, um bewirtschaftet zu werden, doch weiter oben, auf den Sandern und Endmoränen der Eiszeit wachsen die Steine aus dem Boden (wie es gestern Diethelm Lielje formulierte, der gegenwärtig meine Dichterklause anlegt, nach meinen Anweisungen exakt auf das Koordinatennetz des hiesigen Planeten ausgerichtet). Diesen Stein habe ich heute dort gesehen, nicht weit vom Schweinesuhl, von den Mollbergen und dem Ort, der einmal Bannhorst genannt wurde. Nicht immer sind diese Dinge so deutlich zu erkennen.

Bis bald an dieser Stelle bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Montag, 16. März 2009

What a mess (5)

Und so sind wir wieder zu Hause, verehrte potentielle Leserschaft - das, was übrig ist von uns nach ich weiß nicht wie vielen Fußkilometern auf dem Boden des Freistaats.



Gestern habe ich nun die Gelegenheit bekommen, den "Mantel der Winde" in den Hohen Hallen der Buchmesse selbst zu präsentieren - es hat einen Riesenspaß gemacht, den wir hier im Bilde festgehalten haben:



Wir waren sehr, sehr angenehm überrascht über die Resonanz beim jungen Publikum. Nicht, dass wir etwa Zweifel gehabt hätten, dass wir gemeinsam mit dem Baumhaus-Verlag und der Illustratorin Anne Bernhardi ein schönes Buch geschaffen hätten. Aber ein gewisses Risiko ist es dann doch, am Sonntag um Viertel nach zehn in die Lesebude in der Jugendbuchhalle zu laden, eine Viertelstunde nach Öffnung der Messepforten für das Publikum. Wenn man irgendwann um 14 Uhr liest, ist das fast ein Selbstläufer - da wird die Bude voll mit fußlahmen Messebesuchern. So kurz nach Beginn dagegen ...



Aber es war toll, zu erleben, wie die Kinder und Jugendlichen (und ihre Eltern) mitgegangen sind. Sogar ein offizieller Messefotograf ist gesichtet geworden - ein Ritterschlag, der mir zum ersten Mal zu Teil wurde. Und wenn mir eine Dame im Anschluss sagt, das sei "besser als jedes Hörbuch gewesen", das freut einen dann natürlich auch.



Mit noch mehr Freude hörte ich dann aber, was meine Frau und Ulrike Dick vom Baumhaus Verlag belauscht haben - Kinder, die nach der Lesung aus der Bude stürmten und ganz aus dem Häuschen ihren Eltern berichteten: "Der Vater von dem Jungen ist ein KATER!!!"



Und ganz besonders toll fand ich, einige junge Gäste von den Lesungen am Freitag (Grundschule Gundorf und Lindenhofschule) gleich noch einmal begrüßen zu dürfen.



Hinterher, beim Autogramme schreiben, kamen dann noch mehr Rückmeldungen. "Der Mantel der Winde", denke ich, hat einen Nerv getroffen. Und es macht einfach Spaß, wenn das Publikum so mitgeht.



Im Anschluss haben wir uns dann noch kurz am Messestand von unseren Baumhäuslern verabschiedet. Auch da durfte ich gleich noch einen "Mantel" signieren, bevor wir uns auf einen kleinen Rundgang durch die Sachbuchhalle machten.



Sehr interessantes Gespräch mit dem Herrn vom Verlag der Hahnschen Buchhandlung, einem der ganz großen Verlag für historische Fachbücher und Quelleneditionen. Höchst interessante Neuerscheinungen: Eine Edition der frühen Lebensbeschreibungen Coelestins V. (Peter vom Berge Morrone), der als alter Freund Wasmods von dem Knesebeck im Altamura-Kosmos eine so große Rolle spielt. Kommt natürlich auf den Wunschzettel. Ebenfalls dabei die Geschichte der Edelherren von Meinersen und das Urkundenbuch des Klosters Medingen, das nach Homeyers Tod leider posthum erscheinen musste. Gut, das ist alles recht speziell, doch ich gehe davon aus, dass die verehrte potentielle Leserschaft sich inzwischen daran gewöhnt hat, dass ich meine Inspiration zuweilen aus recht speziellen Quellen schöpfe.



Über all dies, anstehende Literaturfestivals in den kommenden Monaten, das Hörbuch zum ersten Dorian Grave, die Fortsetzung des Romans, Lesungen aus dem Mantel der Winde undundund ... ich werde berichten.

Aber jetzt heißt es erst einmal chill out und ich bleibe Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 14. März 2009

What a mess (4)

Ich hoffe, wir kommen diese Nacht mit der Klimaanlage klar, hier in unserem Hotel in Spuckweite der Messe. Der Baumhaus Verlag hat uns angenehm untergebracht, aber irgendwie haben wir die letzten Nächte jeweils bei 23 Grad verbracht. Pures Unvermögen, ich weiß ... Technik ist nicht meine Welt, aber meine Frau kommt in aller Regel gut damit klar. Tobi aus den Dorian Grave-Romanen ist ihr in mancher Hinsicht sehr viel ähnlicher als mir. Allerdings nur in mancher. Über Mr Grave und seine Abenteuer wird es übrigens demnächst wieder eine Menge zu berichten geben ...

TIME OUT

Zurück aus Dresden und dem Elbsandsteingebirge - und voller neuer Eindrücke, Daten, die verarbeitet werden wollen. Ein Besuch auf der Festung Königstein sei jedem angeraten, der sich mit dem Gedanken trägt, irgendwann einmal epische Fantasy zu schreiben. Diese Art von Inspiration ist mit keinem Geld der Welt zu kaufen - und nebenbei: Über die Preise, das ist uns aufgefallen, kann man nicht meckern im Freistaat Sachsen.

Kaffee auf den Brühlschen Terrassen, ein Besuch in der Frauenkirche, die tatsächlich mit einem Theater mehr Ähnlichkeit hat als mit einem Gotteshaus ... ich werde ausführlich berichten, sobald mir das Bildmaterial vorliegt.

TIME IN

Bis dahin kann ich nur auf die kommenden Einträge vertrösten - besonders freue ich mich auf alle Leser, die ich morgen persönlich kennenlernen werde. Bitte auch zu erkennen geben, nicht wieder hinterher "Übrigens, ich war auch dabei. Pinkes Halstuch, vierte Reihe." So intensiv nimmt man das Publikum einfach nicht wahr, nicht so individuell, sondern eher als kollektiv. Und ich kann dann auch nicht ahnen, dass der Herr, der mir das Navigationssystem auf der Cebit erklären wollte, immer mal bei meinen Veranstaltungen war. Unsere Wahrnehmung (unsere, also pauschal, als Menschheit) ist da selektiv: Wir erkennen Menschen wieder, wenn wir ihnen an dem Ort begegnen, an dem wir mit ihnen rechnen. Meiner Apothekendame begegne ich in letzter Zeit an den unmöglichsten Örtlichkeiten - und erkenne sie jedes Mal einen Augenblick zu spät. Letztes Mal bin ich dann einfach schreiend hinterhergelaufen.



Langer Rede kurzer Sinn: Wer dabei sein möchte bei der Buchmessenpremiere des 'Mantels der Winde" - morgen 10 Uhr 15, Halle 2, Lesebude 1. Ich freu mich und bleibe bis dahin Ihr und Euer


Stephan M. Rother

What a mess (3)

Entwarnung, verehrte potentielle Leserschaft: Ich war nicht das Hauptgericht. Wir hatten sogar einen richtig schönen Abend, nachdem es uns in lächerlichen anderthalb Stunden gelungen war, die acht oder neun Kilometer von der Messe bis ins Leipziger Barfußgässchen zurückzulegen. Nie wieder Leipzig Innenstadt am Messefreitagabend! Ich erinnere mich an eine Lesung, die 2006 geplant war, damals für "Der Weg nach Altamura". Nach stundenlanger Irrfahrt musste ich da das Handtuch werfen, ohne Navigation. Gut, inzwischen hab ich eine Navigation - und eine Ehefrau (die hatte ich auch 2006 schon, nur seinerzeit nicht auf dem Beifahrersitz) - und die wollte ich nicht enttäuschen.

Heute gönnen wir uns einen Tag Auszeit. Das haben wir uns verdient. Das Elbflorenz ruft ... mir schwebt da ein Projekt vor ... doch darüber, verehrte potentielle Leserschaft, werde ich im Anschluss berichten.

Bis dahin bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Freitag, 13. März 2009

What a mess (2)

Und schon, verehrte potentielle Leserschaft, liegen die Lesungen in Gundorf und der Lindenhof-Schule hinter uns. Gleich vorweg ein ganz großes Dankeschön an die Damen aus Gundorf, die uns postwendend Momentaufnahmen vom Auftritt heute Morgen haben zukommen lassen. Hier ein erster kleiner Eindruck:



Der Betrachter wird feststellen - wir hatten einen Riesenspaß, auch wenn ich irgendwie aussehe wie ein Geschöpf von Hieronymus Bosch aus der "Musikalischen Hölle" (da gibt's auch so ein Vieh ohne Hals). Das junge Publikum ist jedenfalls super mitgegangen! In der Lindenhof-Schule hat mich außerdem beeindruckt, wie die Schüler an dieser Förderschule, die sich zum Teil an geistig behinderte junge Menschen wendet, ganz konkret das "einer trage des anderen Last" leben. Wie sie lernen, füreinander einzustehen, einander zu helfen. Für mich wird das eine bleibende Erinnerung sein, die ich nicht missen möchte. Wir hatten ein tolles Publikum und freuen uns schon, einige Zuhörer am Sonntag beim Abschlussauftritt auf der Messe wiederzusehen.

Heute Nachmittag hatten wir dann noch eine kurze aber umso herzlichere Begegnung mit meinem Freund und Agenten Thomas Montasser - ich hab mich irrsinnig gefreut, dass er uns noch nachgespurtet ist, nachdem ich ihn auf seiner Lesung als Fortunato nur einige wenige Minuten erleben konnte. Dann nämlich hatte mich Frau Dick vom Baumhaus Verlag auch schon adleräugig erspäht: Fototermin bei Lübbe. Ich habe gerade zehn Minuten damit zugebracht, die Spachtelmasse wieder aus dem Gesicht zu entfernen, aber es war eine angenehme Arbeit mit Olivier Favre und seinem Team. Besonders interessant: Ich wurde gemeinsam mit Pater Karl aus dem Kloster Heiligenkreuz zum Fototermin gebeten. Pater Karl macht in letzter Zeit mit seinen Gregorianik-Projekten von sich reden. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es mir gelungen ist, ihm den Begriff des "Manga" überzeugend nahezubringen, aber er wollte einfach wissen wer diese Leute in den interessanten Kostümen sind. Das war schon sehr offen. Unter uns: Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass ein großer Teil der Manga-Fans und Cosplayer den Pater für einen waschechten Rollenspieler hielten. So lange ich dabei war hat ihn allerdings niemand angesprochen: "Was spielst'n du für'n Charakter?"

Und auch meine eigenen Projekte haben ja immer einen gewissen monastischen Aspekt, von der Ebstorfer Weltkarte im Dorian Grave über die Kreuzbrüder im Mantel der Winde bis hin zur Letzten Offenbarung - die spielt ja sogar im Vatikan! Es ist alles eine Frage des Lichts.

Das schwindet jetzt allmählich vom Himmel. Für heute Abend ist ein Autorenessen mit den Baumhäuslern angesetzt. Ich werde, verehrte potentielle Leserschaft, darüber berichten - so lange ich nicht doch als Hauptgericht faktoriert sein sollte. Die legten so verdächtig viel Wert darauf, dass ich zugegen bin ...

Bis dahin aber bleibe ich mit einem herzhaften Mahlzeit! Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Donnerstag, 12. März 2009

What a mess (1)

Und damit, verehrte potentielle Leserschaft, sind wir auf der Leipziger Buchmesse angelangt. Der Himmel hat bereits bittere Tränen vergossen ob unserer Ankunft, aber ansonsten war es ein sehr schöner erster Messetag heute.

Den 'Mantel der Winde' in der Hand zu halten - es ist immer wieder ein Wunder. Monatelang treibt einen eine solche Geschichte um, die Abenteuer des Jungen Darek und seiner illustren Gefährten im Reich der Winde, und dann auf einmal hält man ein richtiges B-u-c-h in der Hand. Es ist wunderschön geworden in diesem warmen Rot. Anne Bernhardis Illustrationen machen diese Geschichte noch einmal zu etwas ganz Besonderem. Morgen früh bzw. kurz nach Mitternacht, steht die erste Lesung an, um acht Uhr früh! Natürlich in einer Schule, der Grundschule Gundorf - die müssen ja, die Schüler ;) Anschließend geht es weiter zur Lindenhofschule in Leipzig. Und am Sonntag lese ich dann auf der Messe selbst. Wer dabei sein möchte: Sonntag, 10 Uhr 15 in der Lesebude 1, Halle 2.

Leipzig ist ein seltsames Pflaster - die Autoren treten sich gegenseitig auf die Füße. Wir haben Michel Friedmann gesehen und den Herrn Steinmeier von der SPD. Viel interessanter aber war die erste Begegnung mit einem sympathischen jungen Kollegen bei Baumhaus, Boris Zatko aus der Schwyz. Ein wirklich schöner Gedankenaustausch - ich behaupte, wir liegen auf einer Wellenlänge.

Lieber Corry, falls Du dies liest: Du hattest vollkommen Recht :)

Erwarten Sie, verehrte potentielle Leserschaft, gespannt die Entwicklungen der kommenden Tage. Wir tun es auch und werden weiter berichten.

Bis dahin bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Montag, 2. Februar 2009

Joh. 1,5

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen.

Gestern - oder heute - oder vielleicht auch vorgestern - oder zum anstehenden Vollomond - oder erst zum "Valentinstag" moderner Zeitrechnung galt es ein altes Fest zu begehen, das wir je nach weltanschaulicher Couleur als Imbolc, Mariä Lichtmess/Mariä Reinigung oder Murmeltiertag/Groundhog Day benennen dürfen. Oder einfach Jochen. Niemand kann mir verbieten, ein altes kirchliches Fest Jochen zu nennen oder unseren Kaffeevollautomaten Eberhard.

Jedenfalls ist Imbolc ein altes Frühlingsfest. Eine populäre etymologische Erklärung besagt, dass sich die Frühlingslämmer zu diesem Zeitpunkt noch "im Balg" (i.e. "im Leibe") des Muttertiers befinden. Die christliche Bedeutung des Datums funktioniert noch einmal anders, über Maria und ihre "Unreinheit" bis vierzig Tage nach der Geburt des Kindes. Nach dieser Quarantaine wurde dann die "Reinigung" begangen, Mariae purificationis. Vielleicht gibt es da einen fernen Reflex bis hin zu unserem Frühjahrsputz. Jedenfalls ist Imbolc ein Frühlingsfest, wenn sich der Frühling zuverlässig erfahrbar einstweilen nur an der Tageslänge festmachen lässt.

Das Licht aber ist zurück und der erste große Schritt zum Frühling getan.



Irgendwie war es tatsächlich ein winter of our discontent diesmal, der ganz pünktlich zu einem anderen alten Jahresfest, Samhain/Allerheiligen-Allerseelen/Halloween einsetzte, im Anschluss an unseren Abschiedsauftritt nach fünfzehn Jahren auf der Bühne, an das öffentliche Versterben der Figur Magister Rother. Im Rückblick glaube ich, dass das eine unangemessene Frivolität war. Vielleicht war mir selbst die Nähe zu dieser Bühnenfigur nicht klar - doch vielleicht war es dann auch umso wichtiger, diesen ganz deutlichen Schnitt gemacht zu haben. Und die folgenden Wochen und Monate voller Variationen auf das Thema Du bist keine zwanzig mehr waren deutlich. Wir werden sehen, vielleicht habe ich ja gelernt.

Das Seltsame ist, dass ich im Grunde an die Worte vom Oktober/November anknüpfen könnte: Ich bin hindurch. Und zum ersten Mal seit einer ganzen Weile habe ich das Gefühl, dass das, was ich schreibe, wieder wirklich gut ist. Kein it says nothing to me about my life mehr. Ich lese viel über Gauss und Vermessungen und Friedrich II., Kantorowicz und den George-Kreis und seine Wirkung auf die Stauffenbergs. Diese Dinge sind enger verflochten, als es auf den ersten Blick erscheinen mag, und es ist ... überraschend, aus welcher Inspiration Impulse entstehen können, in diesem Fall auf die Fortsetzung des
'Dorian Grave'
.

Die Winterstarre ist überwunden, das Lektorat für Der Mantel der Winde abgeschlossen, und das Jahresrad nimmt Fahrt auf.

Oder, wie mein lieber Sportlehrer zu sagen pflegte, wenn ich mir mal wieder übel den Schritt gequetscht hatte am Barren: Es wird, es wird!

Bis demnächst an dieser Stelle bleibe ich, verehrte potentielle Leserschaft, Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Freitag, 23. Januar 2009

Auf ein Neues,

verehrte potentielle Leserschaft! Auf ein gutes neues Jahr für uns alle und auf eine Menge (oder sagen wir: Anzahl) neuer Projekte, die in den kommenden Wochen und Monaten das Licht der literarischen Welt erblicken wollen.

Das Hilfsverb ist dabei durchaus bewusst gewählt. Klar, "werden" läge am Nächsten, klingt aber immer so nach absoluter Sicherheit. Irgendwie verliert man den Glauben an die Prädestination mit zunehmender Einsicht in die Verlagsbranche. Protestanten dürften jedenfalls unterrepräsentiert sein in der Verlagswelt.
Auch "sollen" wollte ich besser vermeiden. Um ein "sollen" geht es - zugegeben - auch (schließlich unterzeichne ich ständig entsprechende Verträge), aber ich habe gerade in den letzten Wochen wieder gemerkt, dass sich nichts erzwingen lässt. Die besten Ideen, die Dinge, die sein sollen, die sind aus einem Impuls heraus da. Diese Geschichten "stehen" binnen zwanzig Minuten.

So auch meine aktuelle Arbeit, die Fortsetzung zu "Das Geheimnis des Dorian Grave".

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ich mit dem Wagen unterwegs war zu einem meiner Lieblingsorte, dem Kloster Mariensee nahe dem illustren Städtlein Neustadt am Rübenberge. Zu Mariensee siehe vor etwa einem Jahr an dieser Stelle. Da ich diesmal jedoch von Uelzen her kam und die Route über Munster gewählt hatte, entsprechend über die Autobahn anrollte, entschied ich mich, einmal eine andere Strecke zu erproben. Nicht via Mellendorf, sondern ... irgendeinen Namen wird das haben. Mellendorf lässt sich da gerade umgehen, allerdings auch das stimmungsvolle Örtchen Negenborn, das es auch noch zu erkunden gilt. Neun Borne - Quellen - dicht beieinander in alter Zeit; natürlich reizt mich das. Diesmal aber ...

Der Name des Dörfchens (im Grunde ist es nicht einmal ein Dörfchen) ist Dudenbostel. Ich spürte einfach: Da ist was. Dann sah ich das Straßenschild, linker Hand: "Rother Feld"! Und die Stimmung an diesem grauen, stürmisch-relativ-gesehen-milden Januartag ... Ein besonderer Ort. Trotzdem bin ich noch nicht ausgestiegen, sondern habe begonnen, mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu recherchieren.

Nicht allein, dass es auf dem Rotherfeld eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage gibt. Nicht allein, dass diese Befestigungsanlage von einem Bächlein durchflossen wird, das aus einer nahegelegenen Quelle gespeist wird. Nicht allein, dass im Anschluss daran, am Brelinger Berg, ein geologischer Lehrpfad zur Entstehung der eiszeitlichen Landschaft existiert. Nein! Carl Friedrich Gauß unternahm Experimente auf dem Brelinger Berg! Hier wurde vermessen und ... ein faszinierendes neues Element deutet sich an! Ich habe den heutigen Nachmittag unter anderem damit verbracht, meine Kenntnisse über Castel del Monte aufzufrischen (siehe Foto).

Everything falls into place, verehrte potentielle Leserschaft. Ich summe und brumme vor Aufregung, laufe im Kreis um meinen Arbeitsplatz und habe seit mehr als achtundvierzig Stunden keinen Zigarillo angerührt; das kommte hinzu. Aber: Wir sind drin. Niemand, der ein Buch nur liest, kann ermessen, wie es sich anfühlt, wenn sich eines schreibt.

Wenn es sich schreiben will.

Bis zum nächsten Mal an dieser Stelle bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Wirklich fantastisch

Doch recht deultich, verehrte potentielle Leserschaft, sehe ich den einen Leser oder die andere Leserin dieses Blogs vor mir, der oder die beim Überfliegen der Einträge aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommt: Ist ja alles ganz interessant, doch irgendwie auch verdammt abgespacet und abgehoben (oder "abgefahren"; der Dorian Grave sei "abgefahren", hab ich gerade gelesen) - warum schreibt ein Jugendbuchautor seltsame Sachen über Quellen, Besuche an Goethes Gruft und so ein küchenphilosophisches Zeug?

Ich glaube, ich erwähnte es an dieser Stelle bereits: Ich bin nicht Kai Meyer. Ich bin auch nicht Christoph Marzi (dessen Stil ich nach dem Wenigen, das ich von ihm gelesen habe, schätze), Thomas Finn oder Christoph Hardebusch - um einmal diejenigen zu nennen, die eigentlich unverdächtig sind. Der Leser wird wissen, wer an Autoren des fantastisch angehauchten Genres ebenfalls so ungefähr zu meiner Generation gehört. Viele dieser Autoren schreiben absolut spannende Sachen, doch ich habe den Eindruck, dass der Ansatz doch ein ganz anderer ist. Wir alle erzählen fantastische Geschichten, doch die Gründe, aus denen wir das tun, die sind zum Teil sehr unterschiedlich.

Vielleicht hängt er mit der Person von J.R.R. Tolkien zusammen, der als Pate des fantastischen Genres bis heute über der Szene schwebt. Tolkien hat sich vehement dagegen gewährt, seine Geschichten als Chiffren verstanden zu sehen, etwa den "Lord of the Rings" als Kommentar auf die klaustrophobische Situation der "Schlacht um England" in der ersten Hälfte der 1940er Jahre. Erstaunlich genug, denn gerade der akademische Mythen-Fachmann Tolkien hätte das Wesen der Sage besser verstehen müssen. Er hätte wissen müssen, dass die Sage immer vor allem auch eine Auskunft gibt über die Zeit und die Situation, in der sie erzählt wird. Und die fantastische Literatur erzählt ja nun einmal sehr vordergründig Sagen. Die Wirklichkeit ist für das Fantastische damit sogar sehr relevant. Finn hat das mit seinen Sagen-Updates auch gemerkt; das ist durchaus ein spannender Ansatz. Ich kann ihn nicht inhaltlich kommentieren, weil ich nichts davon gelesen habe.

Halten wir also fest: Die Wirklichkeit ist relevant für das Fantastische - wie ich es definiere. Phantastik ist nicht Weltflucht. Sie ist das Gegenteil. Sie ist Spiegelung. Sie ist wie ein Traum von der Wirklichkeit. Und es gibt ja nun sehr alte Traditionen, die in Träumen den einen oder anderen Fingerzeig unseres Unterbewusstseins vermuten. Begreifen wir die Fantastische Literatur also als unser kollektives Unterbewusstsein, als ein unglaubliches und unglaublich wertvolles Reservoir an Methaphern, das es uns ermöglicht, die wirklichen und wirklich relevanten Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Und genau deswegen wird sie selbst relevant.

Harter Tobak, verehrte potentielle Leserschaft, zum Jubeltag der heimischen Leitreligion? Wohl schon irgendwie. It’s ok to be different, to be apart. Es ist ok, wenn du anders bist und keiner dich will verstehen, sagt Stevie Styx in einer Schlüsselszene der Geschichte vom "Geheimnis des Dorian Grave". Wenn du erkennst, dass das ist ok – dann bist du erwachsen. Der Autor, wie es scheint, ist noch nicht ganz so weit.

Einen guten Rutsch ins kalendarische 2009 wünscht an dieser Stelle Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Sonntag, 30. November 2008

Nachtragend

Betont: nach-tragend, nicht nacht-ragend.

Unwahrscheinlich, dass jemand von Euch und Ihnen, verehrte potentielle Leserschaft, den Titel falsch interpretiert hat, doch es wäre ja immerhin möglich. Die kommende Nacht - 30.11./1.12. - ragt bereits in den meteorologischen Winter. Wär doch der Winter erst vorbei / und wieder grün der Wiesengrund. Noch 62 Tage bis Imbolc - auch in dieser Weise kann man das sehen. Könnt ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch, du bist so schön. Vielleicht lern ich's ja doch noch mal. Wobei, mit Dr. Faust war's gleich darauf vorbei ...

Zum Anlass für meine nachtragenden Worte: Gestern Nachmittag stand eine Lesung aus dem Dorian Grave an. Die Location war eine der Stätten der Handlung, dem Flecken Ebstorf. Einige Momentaufnahmen haben wir im Bilde festgehalten.

Gipfeltreffen der local heroes? St. Mauritius (links), Rother.







Schaufenster der Buchhandlung Nohdurft: "Gegenüber hatte Tobi eine Buchhandlung entdeckt. Das Angebot im Schaufenster war gut sortiert: vor allem gab es jede Menge Lektüre zum Kloster und zu der Weltkarte. Aber sonntags war nun einmal geschlossen."





Nun, die Schokoladenseite. Allmählich fühlt sich selbst beim "Auftritt" Zivilbekleidung wieder heimisch an. Wie war das noch? "Ich bin hindurch".






Die Location war dieselbe wie Ende Oktober - das Publikum ein gänzlich anderes. Damals zwei achte Klassen mit neugierigen Fragen ("Wie hat Tobi das denn gemacht mit den Laternen?"), nun der Heimat- und Kulturkreis. Und siehe da: Die Gemeinde derer, die noch rocken - sie ist gewaltig.

Bis bald an dieser Stelle, Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 29. November 2008

In brief

Ein seltsames Gefühl verehrte potentielle Leserschaft, ist es dann schon, wenn ich mir bewusst mache, dass mit signifikanter Wahrscheinlichkeit in genau diesem Augenblick der eine oder anderen von Euch und Ihnen durch die Seiten des 'Dorian Grave' schmökert und sich gemeinsam mit Leonie Hartheim und ihren Freunden darum ringt, den geheimnisvollen Code des verblichenen Gothrockers zu knacken.

Mit Büchern ist es eine seltsame Sache. Im Grunde sind sie auch nichts anderes als sehr, sehr lange Briefe. Nun, nicht ganz, mag der ein oder andere da einwenden. Briefe oder Mails richtet man ja nun in aller Regel an eine bestimmte Person, und Dritte haben da nicht rumzuschnüffeln. Andererseits war das keineswegs von Anfang an ausgemacht. Wie sieht das mit dem Römerbrief des Paulus aus? Mit unzähligen historischen Briefveröffentlichungen? Nein, das eigentliche Merkmal eines "Briefs" ist im Grunde seine Kürze - entsprechend sind "briefs" im angelsächsischen Sprachraum Unterhosen mit kurzen Beinen.

Heute ist das, zugegeben, alles etwas anders. Briefe sind in der Regel privat, veröffentlichte Romane eben öffentlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Autor nicht einen bestimmten Adressaten im Kopf hätte. Das hat er sehr wohl. Ein Roman als überdimensionaler Brief hat einen Adressaten namens Leser. Im Grunde ist das eine höchst deprimierende Geschichte für den Autor des Romanbriefs: Da gibt es etliche tausend Leser - und kaum einer schreibt mal eben zurück.

Gut, einige Antworten habe ich durchaus bekommen, Besprechungen im Radio, in den Printmedien - und im Internet. Bei Amazon gibt es schon etwas zu lesen, und von Ralf Seybold stammt eine parallel auf www.schreib-lust.de veröffentlichte Rezension, bei der mir dann doch eine Gänsehaut kam. Besonders gefreut habe ich mich auch über die Zeilen von "ilkachen" auf www.lizzynet.de - denn unsere Leser sind ja - wie schon berichtet - "alle, die rocken", und ich bin erleichtert, dass das offenbar eine ganze Menge sind. Ganz gespannt bin ich, wie das Grave-Exemplar ankommen wird, das derzeit in Corrys Jugendbuchregal steht - vielleicht hat es Corry auch gerade am Wickel. Jedenfalls sind solche Antworten für den Romanbrief-Autor ungeheuer wichtig - übrigens ganz gleich, ob sie sich nun überschlagen vor Begeisterung oder ein gerüttelt Maß an Kritik anmerken. Es sind einfach Antworten, und die sind selten.

Obwohl ich natürlich längst an neuen Projekten arbeite, lässt mich der Grave nicht so schnell los. Hin und wieder wandle ich auf den Pfaden, denen auch Leonie und ihre Freunde folgen.

Der "Engelsweg" zum Beispiel ist bis heute eine wunderschöne Wanderstrecke - und der Verlauf hat sich seit den Tagen des dicken Wilhelm nicht wesentlich verändert.

Andere Wege sind gerader, doch ein merkwürdiges Gefühl ist es schon, wenn man dem Surren der Hochspannungsmasten lauscht und sich fragt, sind das wirklich die Hochspannungsmasten? Und ich will mich besser gar nicht daran erinnern, was das für ein Gefühl war, als ich Anfang des Monats nachts zwischen Breitenhees und Weyhausen im Auto unterwegs war. Nebel kam auf - und aus dem Nebel mit Blaulicht das Aufgebot der Staatsmacht. Es war Castor-Zeit und, ja, ich werde auch noch Bilder von dem lauschigen Örtchen einstellen, an dem Hartheim festgehalten wird - wenn sie mich nicht wegfangen.

Nur wohin das am Ende führen soll, das ist die große Frage. Vielleicht ist das, wie Dorian Grave jetzt sagen würde, mehr, als du wissen darfst.

Bis zum nächsten Mal an dieser Stelle bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 1. November 2008

Ich bin hindurch!

Das passende Wort, verehrte potentielle Leserschaft, zum passenden Datum. Der 31. Oktober 1517, der Zeitpunkt des angeblichen Anschlags der 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg, markiert zugegeben erst den Beginn der ungeheuren welthistorischen Entwicklung, die Martin Luthers Reformationsbemühungen auslösen sollten – doch es ist eben auch jenes Datum, das auf den Wormser Reichstag hinführte, an dessen Ende Luther eben dies ausrufen konnte: Ich bin hindurch! Und wenn ich tausend Köpfe hätte, ich würde sie mir eher abschlagen lassen, als zu widerrufen!

Und irgendwie kann ich heute gerade ganz gut nachvollziehen, wie er sich damals gefühlt haben muss. Nun sei es mir fern, das, was ich fabriziere, irgendwie mit den Schriften des Doktor Martin L. vergleichen zu wollen – weder im Positiven noch im Negativen – doch ein Hindurch, das spüre auch ich heute:

„Das Geheimnis des Dorian Grave – Mehr als du wissen darfst“ hat auf der Frankfurter Buchmesse das Licht der Welt erblickt und sollte in diesen Tagen beim Buchhändler Ihres und Eures Vertrauens eintreffen. In Frankfurt, bei den Literaturtagen im altmärkischen Osterburg und an jenem Ort, der im Roman eine solche Rolle spielt, in Ebstorf, haben wir erste Lesungen erlebt – und die Reaktionen übertreffen alle Erwartungen, die ich möglicherweise gehegt habe. Das Interesse ist ungeheuer. Im Frankfurter Literaturbahnhof war sogar ein leibhaftiges Ungeheuer mit dabei: Mein lieber Baumhaus-Kollege Klaus Baumgart war mit seinem neuen Werk „Elli – ungeheuer geheim“ zugegen. Eine wunder- und fantasievolle Geschichte um ein Nachwuchsgespenst, die sicher eine Menge Fans finden wird.

Was nun die Geschichte von Mr Grave anbetrifft: Die Reaktionen machen mir selbst natürlich gehörig Lust, die Story weiterzuerzählen – doch dazu an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Hindurch bin ich aber vor allem durch die letzten Wochen, in denen ein solcher Wust von Terminen anstand, dass es mir schon geraume Zeit davor grauste. Ein „besseres Ereignis-Timing“ forderte die Titanic! (wenn ich mich recht entsinne) zu Zeiten der Wiedervereinigung – dem hätte ich mich in diesem Oktober vollen Herzens anschließen können. Die Grave-Veröffentlichung, mein Bühnenabschied und ganz nebenbei mein vierzigster Jubeltag geballt und massiert. Gut, ich hatte es so gewollt. Ich wollte ganz bewusst eine Zäsur setzen, mir selbst deutlich machen, was ich mit den NÄCHSTEN vierzig Jahren anzufangen gedenke. Dass dieses Vorhaben dermaßen, nun, ereignisintensiv werden würde, dass mir Zweifel zwischendrin kommen würden, ob es diese vierzig Jahre überhaupt noch geben würde – das hatte ich nun nicht geahnt.

Unsere Abschiedsabende auf Burg Bodenteich waren wunderschön und wunderstressig zugleich. Während des Gesprächs mit Holger Boden vom Isenhagener Kreisblatt, in dem ich im April meinen Bühnenabschied ankündigte, hatte ich die Idee entwickelt, in bester Bowie-Tradition tatsächlich auf der Bühne abzuleben. Im Ergebnis haben wir das nun dahingehend variiert, das am Beginn der Darbietung zu den Klängen des Trauermarschs aus der Götterdämmerung bereits die Bahre hereingetragen wird und anschließend die unterschiedlichen Figuren, die ich im Verlaufe meiner Bühnenkarriere verkörpert habe, dem verstorbenen Magister Rother ihre Referenz erweisen. Die Musik durfte dabei natürlich nicht fehlen. Lady Ginevra und ihre neue Band Schafspelz standen freundlicherweise zur Verfügung. Auf einmal war die Sache rund. Womit wir nicht gerechnet hatten, war das immense Interesse der Öffentlichkeit. Gut, wir hatten natürlich auf ein ausverkauftes Haus gehofft – aber dass wir den eilig für den folgenden Tag angesetzten Zusatztermin ebenfalls in Windeseile ausverkaufen würden, das hatte dann doch niemand erwartet. Für mich bedeutete das ein Dutzend Kostümwechsel innerhalb von zwei Stunden, und am nächsten Tag noch einmal von vorn.

Man stirbt nur zwei Mal.

Und so fühlte ich mich am Ende auch. Unerwartet kam da noch die offizielle Ehrung durch den Flecken Bodenteich. Was genau es mit der Ehrengabe auf sich hat, die mir aus den Händen des stellvertrenden Bürgermeisters Werner Schulz verliehen wurde, konnte ich bisher nicht eruieren. Der Förderkreis Burg war vor zwei Jahren der erste Träger dieser Auszeichnung. Der Förderkreis Burg ist eine Korporation – ich bin keine. Vermutlich soll die Ehrung für mein künftiges Wohlverhalten bürgen. Nun, ich will und werde tun, worum ich mich ganz ehrlich immer bemühe – um mein Bestes. Und in den letzten Wochen war das ein tierisch anstrengendes Bestes.



Hier im Bilde die Verleihung - im Bilde festgehalten durch Marc Lücke, der in einem (logo, sehr lesenwerten) Artikel im Isenhagener Kreisblatt berichtete (ich frag gleich noch, ob ich's auch verwenden darf). Bitte anklicken - so sieht man nur den Herrn Bürgermeister. Nicht, dass der nicht an sich sehenswert wäre, aber irgendwie fehlt da noch was.

Doch nun, verehrte potentielle Leserschaft: Ich bin hindurch und gelobe feierlich, die mir verbleibende Kraft fürderhin allem voran dem geschriebenen Wort zu widmen … als bescheidener Arbeiter im literarischen Weinberg des Herrn. Es gibt noch so viele Geschichten, die erzählt werden wollen. Ich erwarte sie voller Spannung und mit einem glücklichen Lächeln, wie es ja vielleicht auch der Doktor aus Wittenberg auf den Lippen getragen hat, als er sich zu seinem Entschluss durchgerungen und allen Anfechtungen widerstanden hatte.

Ich bin hindurch und bleibe bis zum nächsten Mal an dieser Stelle Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 11. Oktober 2008

Für alle, die rocken

„School’s out – for summer! School’s out – forever!“, verkündete weiland Alice Cooper, bei dem sich die Marilyn Mansons unserer Welt noch heute manche Scheibe abschneiden könnten – nicht allein schminktechnisch.
Da bleiben wir, verehrte potentielle Leserschaft, ja beinahe im Bild, wenn wir jetzt den erlösenden Satz vernehmen: „Dorian’s out!“
Monatelang habe ich Euch und Ihnen in den Ohren (oder richtiger: den Augen, denn das Schwergewicht dieses Blogs liegt ja doch auf dem geschriebenen Wort) gelegen mit halb fertigen, möglichen, zukünftigen Projekten. Nun endlich gilt es von Lesbarem zu berichten.


Stephan M. Rother:
Das Geheimnis des Dorian Grave – Mehr, als du wissen darfst
Baumhaus Verlag, Frankfurt 2008
400 Seiten, Hardcover, 14,90 €
ISBN 978-3-83393626-5



Dorian Grave, Sänger der Band „Dead Art“ und legendärer Star der Gothic-Rockszene kommt bei einem Autounfall ums Leben – kurz nachdem er sein erstes Soloalbum angekündigt hat. Zufall – oder etwas anderes? Zufall – oder mehr? Mehr, als du wissen darfst: Ein Satz den Leonie Hartheim zu hören bekommt, die sich gemeinsam mit ihren Freunden auf die Spur ihres Idols setzt, ohne zu ahnen, dass sie sich auf ein wahrhaft lebensgefährliches Abenteuer einlässt.

„Das ist dann also ein Jugendbuch?“, wurde ich diese Woche im Interview gefragt. Ich zögerte. Natürlich, im Mittelpunkt stehen Jugendliche, die der Fährte eines Rockstars nachspüren, und der Baumhaus Verlag, der den Roman veröffentlicht, hat sich (etwa mit den ‚Wilden Kerlen’) einen Namen als Kinder- und Jugenbuchverlag gemacht. Doch so einfach ist die Antwort nicht.
Rock’n’Roll ist einmal als eine hermetisch dichte Welt definiert worden. Als eine eigene Sprache, die nur Teenagern verständlich sei, welche sich in ihr zu verständigen wüssten, die kryptischen Zeichen zu deuten wüssten. Erwachsene ständen dieser Welt und dieser Sprache verständnislos gegenüber. Als ich selbst ein Teenager war, orakelte ein Rezensent, die Band Duran Duran setze in ihrer Musik Frequenzen ein, die einzig von vierzehnjährigen Mädchen wahrgenommen werden könnten. Eine Art Hundepfeife also. Der Vorteil für die Musiker auf der Hand gelegen: Ähnlich wie dem Hundepfeifenden wäre auch Simon le Bon und Konsorten (immerhin junge Herren von Mitte zwanzig) erspart geblieben, dem zu lauschen, was sie da gerade hervorbringen.
Nein, die Sache funktioniert anders und hat immer anders funktioniert. Wobei der Grave-Roman zum Begriff des „Funktionierens“ seine ganz eigene Sichtweise bereithält. Jedenfalls sind die Zeiten des „trau keinem über dreißig“, wenn es sie denn einmal gegeben hat, lange vorbei – schon auf Grund des Umstands, dass diejenigen, die diesen Begriff einst geprägt haben, die Dreißig schon seit einer ganzen Weile hinter sich gelassen haben.
Insofern kann ich den Grave-Roman mit gutem Gewissen Teenagern jeden Alters ans Herz legen. Vierzigjährige Teenager werden es mit demselben Gewinn lesen können wie vierzehnjährige Teenager. My twenty-twenty’s true, wie Debbie Harry sang. Ob sich ein Leser vom Geheimnis des Dorian Grave in den Bann schlagen lässt, ist weniger eine Frage des Alters. Es ist eine Frage der Einstellung.
Vielleicht sagt es auch etwas aus, dass Holger Boden, der bewusstes Interview mit mir führte, die vorangegangenen ca. 2.000 Zeichen mit einem Satz auf den Punkt brachte:
„Also ein Buch für alle, die rocken.“

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen – höchstens noch dies:



Warum ist der Titel instrumental? Wo ist Dorian Grave? Was für eine Frage, verehrte potentielle Leserschaft! Dorian ist t.o.t. – tot.

Aber vielleicht … vielleicht werden uns Dead Art ja überraschen. Mir ist da etwas zu Ohren gekommen … Doch dazu mehr, demnächst, an dieser Stelle.

Keep on rocking,

Stephan M. Rother