Freitag, 31. Juli 2009

Man hat sich bemüht

Ein zweiter Teil, verehrte potentielle Leserschaft, ist immer eine etwas merkwürdige Angelegenheit. J.D. Salinger hat bekanntlich vor kurzer Zeit alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um die von einem schwedischen Autor geplante Veröffentlichung einer Fortsetzung seines catcher in the rye zu verhindern. Nun hat man von Salinger seit etwa einem halben Jahrhundert quasi ausschließlich im Kontext gerichtlicher Auseinandersetzungen gehört, und ... Jedenfalls: Es gibt Autoren, die schreiben den zweiten Teil eines Romans selbst, und sie tun es sogar ganz freiwillig.

Wer meine Postings an dieser Stelle in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß, dass auch mich in der ersten Jahreshälfte ein solcher zweiter Teil umgetrieben hat - der Fluch des Dorian Grave in diesem Fall, ein neues Abenteuer um Leonie Hartheim und ihre Freunde, allesamt Fans des namengebenden, verblichenen Goth-Rock-Idols Dorian Grave. Seit Mitte Juli flucht jetzt mein Lektor Harald Kiesel ob dieses Elaborats. Ich bin schon äußerst gespannt auf seine Anmerkungen und bereite mich derweil ... nein, nicht auf einen dritten Teil vor (den wird es in dem Moment geben, in dem die Story von Neuem Anlauf nimmt und mich, frei nach Wolfram von Eschenbach, anspringt). Nein, ich arbeite zwar an einer Fortsetzung, verwandle mich dabei aber wiederum von einem sechzehnjährigen Gothic-Teenie in einen Restaurator von Mitte dreißig. Mit anderen Worten: Amadeo Fanelli ahnt noch nicht, welch neue Fährnisse seiner harren, aber ich ahne es. Eigentlich ist es sogar mehr als eine Ahnung. Exakt handelt es sich um ein vierseitiges detailliertes Exposé, an dem ich in diesen Tagen letzte Hand anlege. Sobald ich zufrieden bin, wird's Ereignis. Wahrscheinlich werde ich dazu in den kommenden Tagen noch einmal das Pergamon Museum aufsuchen.

Solche Inspirationen, die verehrte potentielle Leserschaft kann das ja regelmäßig verfolgen, sind wichtig für mich. Ich muss visualisieren. Ich muss ein Bild im Kopf haben, einen Klang, einen inneren Soundtrack zu dem Buch, an dem ich gerade arbeite. Für das neue Projekt könnte das Depeche Modes Songs of Faith and Devotion sein, eine Veröffentlichung, die so inspiriert und spirituell ist, wie es das aktuelle Album (Sounds of the universe) gerne wär'. Natürlich gibt es daneben ständig weitere, neue Anregungen durch Wort, Bild und Klang. Ich werde häufig gefragt, was ich eigentlich selbst lese. Einige Rezensenten scheinen besessen von der Vorstellung, ich würde Dan Brown rauf und runter studieren, dabei kenne ich ausschließlich die erste CD einer Hörfassung eines seiner zwei oder drei Bücher ... Eine obskure Geschichte über einen Einbruch im Louvre, bei dem die Protagonisten entkommen, indem sie irgendwie einen Sender oder ein Handy auf einen vorbeifahrenden LKW schmeißen und sich selbst im stillem Kämmerlein verstecken. Mit Verlaub, aber das gab's bei Colt Seavers jede Woche im Vorabendprogramm. Und die Story als solche - sie wird ja ausreichend kolportiert. Ich vermag nicht nachzuvollziehen, was daran reizvoll sein soll nach Umberto Eco. Wenn ich Eco und Colt Seavers kenne, was brauch' ich noch Herrn Brown? Vermutlich kennen seine Leser weder den einen noch den anderen. Sonst habe ich keine Erklärung.

Ich glaube, dass neue Ideen wichtig sind. Eine Geschichte, die von innen kommt, und in der der Autor so viel von sich gibt, wie er nur kann. "Man hat sich bemüht" lesen wir auf dem Grabstein von Willy Brandt, und ich finde, das kann von jedem Menschen erwartet werden zu jeder Zeit. Aus welcher Perspektive man meine Geschichte dann verfolgt, ist gar nicht so wichtig. Wenn es eine gute Geschichte ist, kann ich sie als Unterhaltungsroman lesen oder von mir aus auch als Literatur (wobei ich weder Walser, noch Böll, weder Grass, noch Frisch bin. Ich bin nicht mal Daniel Kehlmann. Aber Arno Schmidt, den mag ich, vielleicht weil er vor vierzig oder fünfzig Jahren an den gleichen Orten gewandert ist, an denen ich heute unterwegs bin, und uns gemeinsame Inspirationen verbinden).

Anfang der Woche waren wir an der Quelle an der Rückseite des Uelzener Krankenhauses, an der vergangenes Jahr die Bilder zum ersten Grave Video entstanden sind. Ein Eindruck, der mich ins Grübeln gebracht hat.

Der Blick im Juli 2008 - und im Juli 2009:



Erschreckend? Erschreckend.

Doch beim Erschrecken darf es eben nicht bleiben. An dieser Stelle müssen wir anfangen, uns Mühe zu geben.

Darüber, verehrte potentielle Leserschaft, werde ich in Kürze an dieser Stelle berichten und bleibe bis dahin Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Sonntag, 14. Juni 2009

Spätlese


Welches Bild, verehrte potentielle Leserschaft, macht sich der durchschnittlicher Leser eigentlich vom Alltag eines durchschnittlichen Autors? Gegenfrage: Den durchschnittlichen Leser, gibt es ihn? Und wenn ja - hätte er einen besseren Autor verdient als einen - eben - durchschnittlichen? Und umgekehrt.


(Im Bild: Klaus-Dieter Lindeck vom Kunstverein Meißen bei der Anmoderation zum "Dorian Grave")

Die Einstiegszeilen mögen, zugegeben, noch eine Spur wirrer anmuten als das an dieser Stelle Gewohnte. Wie kommt's?


Nun, zum Einen sicherlich eine Folge literarischen Overkills nach einem Wochenenden auf dem Literaturfest Meißen im Freistaat Sachsen, von dem ich samt Gattin just zurückkehre um spätlesetechnisch Zeugnis abzulegen.


Zum Anderen dürfte meine heutige Lesung aus dem "Mantel der Winde" ihren Teil beigetragen haben, die ich wider Anraten selbiger (nämlich der im vorangegangenen Satz versteckten Gattin) oben ohne absolvierte, so dass einstweilen noch nicht abschließend beurteilt werden kann, was die Sonne Sachsen im schütteren Schädel des Schreiberlings angerichtet hat.


Ich möchte diese Zeilen vor allem nutzen, um mich noch einmal ganz herzlich beim Publikum in Meißen und den Veranstaltern vom Kunstverein und ihren Partnern zu bedanken - dafür, dass sie dieses spannende und ambitionierte Projekt ins Leben gerufen haben und für die gastliche Aufnahme in der "Wiege Sachsens". Liebe Meißener, Ihr seid toll!


Es war eine tolle Erfahrung im Ambiente des historischen Meißener Marktes und eingerahmt von Profis aus Entertainment (die sympathische Puppenspielerin und Autorin Sabine Winter), Politik (Bundesminister de Maiziere) und Entertainment und Politik (Schauspieler und Ex-Bundespräsidentenkandidat Peter Sodann) vom Geheimnis des Dorian Grave und den Fährnissen rund um die Suche nach dem Mantel der Winde zu berichten.


Historische und Fantastische Literatur stand im Mittelpunkt der insgesamt viertägigen Veranstaltung. Dabei kamen von visionären Klassikern wie der divina comedia bis zu Genreveröffentlichung a la Joanne Rowling/Thomas Finn/Iny Lorentz die unterschiedlichsten Ansätze zu ihrem Recht. Ein ganz großes Bogen also, ein wahrhaft weites Feld ... Es ist ein wirklich tolles Gefühl, ein kleines Rädchen in diesem (im wahrsten Sinne des Wortes) fantastischen Kosmos gewesen zu sein. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.


Während ich mich nun bereit mache, das glühende Haupt mit einer Quarkpackung zu kühlen, bleibe ich bis zum nächsten Mal Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 9. Mai 2009

Eine lange Wegstrecke

Es ist schon eine ganze Ecke, verehrte potentielle Leserstrecke, wenn man vom einstigen Kloster Ebstorf aus in jene Region unterwegs ist, die die Leser des ersten Dorian Grave-Bandes grob als "Danlo" identifizieren können: Das hoch gelegene, wasserlose, sandige Land oberhalb der Quellentäler der Hardau, des Bornbachs, der Aue/Ilmenau, der Lutter und Lachte und ihrer Nebenbäche. Die Gegend also, in der man mich frei rumlaufen lässt. Vermutlich zählen die Wildschweine mich inzwischen zu den ihren.

Dennoch: Dieses Land ist dunkel und gefährlich. Vom dunklen Herz der Erde ist die Rede im Roman, und das nicht ohne Grund. Der Unkundige kann auf Wege geraten ... Aber, hey, wozu schreib ich einen zweiten Teil?

Heuer gibt es Bemerkenswertes zu vermelden: Für den 27. Mai ist die Veröffentlichung der Hörbuchfassung des Dorian Grave-Romans angekündigt. Grund genug für mich, dem Künstler meine Aufwartung zu machen:



Anlass war eine besondere Ehre, die mir zu Teil geworden ist. Immer wieder werde ich gefragt, wie sich Dorian Grave und seine Band "Dead Art" denn nun eigentlich anhören. Traurig genug, dass noch immer so wenige Menschen mit der Musik dieses beachtlichen Künstlers vertraut sind. Das mussten wir ändern, und so habe ich mich noch einmal auf die Spur des Soloalbums des verblichenen Mr Grave gemacht und mit tatkräftiger Unterstützung einer langen Reihe von Mitstreitern das offizielle Video zum Dorian Grave-Titel "On a long plain" abgedreht.



Ein aufregendes Unternehmen, das uns nicht allein in die finstersten Winkel dieses geheimnisvollen Landes führte, sondern auch an andere, nicht ganz so finstere Stätten der Handlung. Sehen, verehrte potentielle Leserschaft, Lauschen und Staunen. Und das Hörbuch auf den Einkaufszettel, logisch. Dann gibt's im Herbst auch die Fortsetzung, oder - wie Wally das Werschweinchen sagen würde ... Doch das ist eine andere Geschichte ("Der Fluch des Dorian Grave" nämlich), von der beizeiten zu berichten sein wird.

Für heute bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Mittwoch, 29. April 2009

Die besten Geschichten ...

Die besten Geschichten, verehrte potentielle Leserschaft, schreibt ohne jeden Zweifel das Leben.

Eine solche berichtete ich gerade meinem Mentor. Man stelle sich folgende Situation vor:

SAMSTAG FRÜH, HALB SECHS! Ein Mordsradau! Wir denken, oh Gott, der Spielmannszug. Nein, er war es nicht. Es war ein LKW mit offener Ladefläche, der besoffenen Mannschaft, einer Stereoanlage und mannsgroßen Boxen mit Marschmusik!

Replik meines Mentors:

"Dafür würde man in Österreich erschossen, in der Schweiz verklagt, und in Italien steht sowieso keiner so früh auf."

Ich musste das einfach gerade loswerden :)

Samstag, 18. April 2009

Am Schweinesuhl

Der Eisenbach? Der kommt aus einem Schweinesuhl!

So, verehrte potentielle Leserschaft, sprach Fred von Hartheim zu mir. Selbiger, sollte ich erläutern, nimmt eine nicht exakt definierte Position im Ensemble "Schafspelz" ein. Auf jeden Fall gehört er zur prominent vertretenen Rhythmussektion dieser Nachwuchsformation, mit der Lady Ginevra, meine langjährige Bühnenpartnerin, jetzt die Mittelaltermärkte dieser Republik unsicher macht. Ein Weg, den ich nicht mit ihr gehen konnte, den wir aber gespannt und mit Wohlwollen verfolgen.



Zurück zu Fred - oder besser zu seiner Aussage Eisenbach-bezüglich. Ich kannte Fred bisher nur als Installateur oder Installateursähnliches (irgendwas hat er hier mal repariert), doch als ich im August vergangenen Jahres seinen Künstlernamen "von Hartheim" hörte, wurde ich natürlich hellhörig. Der Name Hartheim wird den Lesern des Dorian Grave sicherlich vertraut sein, und sie werden sich an dieser Stelle möglicherweise fragen, wie Fred ihn schon vor Erscheinen des Romans kennen konnte. Verbalinspiration? Schon. Auf eine Weise. Allerdings war diese nicht über den Grave-Roman geschehen, sondern über meinen Debüt-Roman Der Adler der Frühe, und der lag schon eine Reihe von Jahren vor. Also nichts Übersinnliches - bis hier. Die Geschichte um Schwester Agnetha, den Franziskaner Bruder Björn, den Müller Benno und Amme Annafrid ist natürlich schon ziemlich spooky und antizipiert zumindest im Sinne des musikalischen Kontexts the shape of things to come. Mit anderen Worten: Bei näherem Hinsehen war mein Geschreibsel schon immer ein wenig sonderbar.

Aber wir waren beim Schweinesuhl - oder genauer gesagt: Ich war noch nicht dort - bis heute. Hierzu ist zu bemerken, dass am Ende des Adlers der Frühe von der Gründung eines Klosters an einem Ort namens "Hartheim" berichtet wird. Dieser Ort ist recht eindeutig verortet, und zwar jenseits der Hügel, die den mittelalterlichen Marktflecken Bodenteich im Westen überragen, vulgariter: Die Wierener Berge. Auch die Lage von Leonie Hartheims Heimartort Waldlingen (im Schatten mittelalterlicher Klosterruinen) kann der Ortskundige ungefähr bestimmen: Ein Stückchen östlich der Bundesstraße 4, anscheinend etwas südlich der Siedlung Breitenhees. Alles zusammengenommen ergibt recht gute Möglichkeiten zur Lokalisierung. Jedenfalls erscheint es nicht völlig unsinnvoll, Waldlingen und seinen Nachbarort Kerkendorf rund um die Heideorte Bokel und Nienwohlde zu suchen. Und aus Nienwohlde kommt er, der Eisenbach. Und der Fred. Fred von Hartheim also und der Schweinesuhl.



Ich war mir nicht vollständig sicher, was ich mir unter einem Schweinesuhl vorstellen sollte. Mir war lediglich bekannt, dass sich Schweine eben suhlen. Um Details zu kennen, war ich der Spezies einfach nicht vertraut genug. Im Zuge meiner quellenkundlichen Wanderungen nach Danlo hatte ich mir aber schon seit einiger Zeit auch den Schweinesuhl vorgenommen. (Zur exakten Lage Danlos möchte ich übrigens keine weiteren Angaben machen. Society must be protected. Und die Quelle erst recht.) Das Quellwasser der uralten Siedlungskammer rund um Wrestedt, Stadensen, Nettelkamp, Nienwohlde zählt zum reinsten und besten, das im Norden Deutschlands zu finden ist, auch wenn das Wasserwerk Stadensen II heute aus weit größeren Tiefen in unseren Wasserhahn fördert. Die Quellen versiegen, verwandeln sich in Schweinesuhle ... Nun, heute war es so weit.

Die Quelle des Eisenbachs liegt eingebettet in einen locus amoenus, dass dem Humanisten schier schwindlig wird. Da ist zunächst einmal der Ort Nienwohlde selbst (die Vorgängersiedlung +Bornwohlde konnte die Forschung bis heute nicht eindeutig identifizieren; das mach ich noch). Die Bewohner bessern dieser Tage gerade wacker die Einfahrt vor ihrem Spritzenhaus aus. Auch da muss es eine Quelle geben - sonst stände es nicht gerade dort. Vermutlich haben sie sich schon gewundert, warum dieser silberne Hyundai da neuerdings zwei Mal am Tag im Schritttempo vorbeifährt und auf den Straßen verschwindet, die nirgendwo hinführen. Nur zum Schweinesuhl. Im Norden erhebt sich der Höhenzug des Streisenbergs (eiszeitlich, wie fast alles hier), im Süden dies Ausläufer der Mollberge. Offenbar haben dort einmal Hügelgräber existiert - ob es deren Überreste sind, die ich gefunden habe, da bin ich mir nicht ganz sicher. Was ich gefunden habe, waren Steine. Viele Steine. Verflucht große Steine. Eines der Anfang der Woche durchwanderten Täler der Mollberge trägt übrigens den Namen "Bannhorst". Die genaueren Zusammenhänge werden dem aufmerksamen Leser klar werden, wenn er im Oktober den Fluch des Dorian Grave in Händen hält. (Vielleicht ist das für den einen oder anderen Leser sogar interessanter als Schweinesuhle & Spritzenhäuser: Der zweite Teil der Geschichte um Leonie Hartheim und ihre Freunde wird Herbst bei Baumhaus erscheinen, und was Sie an dieser Stelle lesen und Ihr an dieser Stelle lest, ist die Entstehungsgeschichte - auf eine Weise.)



Dieser Schweinesuhl ist ein faszinierender Ort. Ich hatte heute das Glück, auf Eingeborene zu stoßen, zwei Damen beim Walking. Es ist mir auf meinen Expeditionen immer sehr wichtig, in Kontakt mit den Eingeborenen zu kommen, auch wenn man manchmal etwas skeptisch angeschaut wird, wenn man fragt, ob das Wasser jener sumpfigen Senke wohl unter dem angrenzenden Feld hindurchsickert und auf der anderen Seite als Eisenbach wieder zum Vorschein kommt. Genau das geschieht nämlich! Wir könnten geradezu vom Danlo-Phänomen sprechen. Die Damen waren sehr freundlich zu mir, obwohl ich nicht genau erklärt habe, warum mir das alles so wichtig ist. Heute Abend merkte ich gegenüber meiner Frau an, dass man mich vermutlich für seltsam gehalten habe, und ob es nicht besser gewesen wäre, eine kurze Erläuterung meiner Intentionen zu geben. Sie ermunterte mich, besser weiter zu schweigen. Es wäre möglich, dass ich keine Auskünfte mehr erhielte, wenn den Leuten klar werde, wie seltsam ich tatsächlich sei.



"Das sind die Quellen dort unten", erklärten mir die Damen. Nein, das sei kein Oberflächenwasser. Das ist im Ort bekannt. "Die Quellen gehen dann weiter, überall im Ort. Und unter der Straße durch - und auf der linken Seite war dann früher der Teich." Die Welt, die uns umgibt, ist magisch. Diese Dinge sind uralt (nicht der Teich. Der war gestaut). Wir können nur stotternd nachbuchstabieren, was andere vielleicht als selbstverständliche Wahrheit wussten. Und über all dem liegt der Schleier des Geheimnisses.

„Alles auf der Welt hat mit allem zu tun“, sagt Rainer Hartheim am Beginn des zweiten Grave-Romans zu seiner Tochter. „Nur ist das oft auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Das, was wir Wirklichkeit nennen, ist nur Kulisse. Ein Vorhang, ein großes Stück Stoff, hinter dem sich die wahren Zusammenhänge verbergen.“



Rund um den Schweinesuhl ist das Gelände zu feucht, um bewirtschaftet zu werden, doch weiter oben, auf den Sandern und Endmoränen der Eiszeit wachsen die Steine aus dem Boden (wie es gestern Diethelm Lielje formulierte, der gegenwärtig meine Dichterklause anlegt, nach meinen Anweisungen exakt auf das Koordinatennetz des hiesigen Planeten ausgerichtet). Diesen Stein habe ich heute dort gesehen, nicht weit vom Schweinesuhl, von den Mollbergen und dem Ort, der einmal Bannhorst genannt wurde. Nicht immer sind diese Dinge so deutlich zu erkennen.

Bis bald an dieser Stelle bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Freitag, 27. März 2009

Ausgezeichnet

Eine Riesenüberraschung, verehrte potentielle Leserschaft, erwartete mich heute Morgen, als ich heute Morgen eines meiner persönlichen Lieblingsblogs aufsuchte: Corrys Jugendbuchregal ist mir nicht erst in den letzten Wochen und Monaten ans Herz gewachsen, aber eben auch gerade seitdem, und die wirklich ... Halt! Schon wieder mal Unstimmigkeiten zwischen unserem Raum-Zeit-Kontinuum und mir. Kommt heuer erschreckend häufig vor; kann eigentlich nur an der Arbeit an Der Fluch des Dorian Grave liegen. Passt jedenfalls in die Materie.



Also der Reihe nach: Corrys Jugendbuchregal hat mir einen "Friend's Award" verliehen. Ich bin unglaublich gerührt (und ich habe dieser Tage sowieso nah am Wasser gebaut, aber dazu gleich noch). Liebe Corry, ganz ganz herzlichen Dank! Ganz ohne understatement: Habe ich das wirklich verdient? Ich bin doch gar kein echter Blogger. Dafür schreibe ich einfach zu selten (also hier im Blog; an Grave II habe ich gestern fünfzehn oder sechzehn Stunden lang geschrieben). Also: ganz, ganz herzlichen Dank!

Aber was tust Du mir an! Ich bin genauso wenig Blogleser, wie ich Blogschreiber bin! Mit Ausnahme von Corrys Seite verfolge ich nur noch die wirklich lesenswerten Berichte auf 50 projects one year - wobei ich anmerken muss, dass es da nur selten was Neues gibt für mich; das ist nämlich die Seite meiner Frau. Aber, wenn ich's recht überlege, verehrte potentielle Leserschaft, wenn ich einigermaßen richtig orientiert bin über die einschlägigen gesetzlichen Regelungen, dürfte von Euch und Ihnen niemand mit dieser wundervollen Frau verheiratet sein. Mit anderen Worten: Da gibt's dann jede Menge Neues, Aufsehenerregendes, Inspiratives (obwohl mein Ehegespons am Anfang etwas irritiert war, dass es mich zur Figur von Leonies Oma inspiriert hat) und vor allem irrsinnig Kreatives! - unbedingt mal vorbeischauen! Voller Freude und Stolz darf ich bei dieser Gelegenheit meinerseits den Award in diese Richtung und auch noch einmal an Corry weitergeben.

Eine zweite Sache, die mir unwahrscheinlich zu Herzen ging, war in diesen Tagen der Bericht im Isenhagener Kreisblatt über das Erscheinen meines 'Mantels der Winde'. Schon die Treffen mit Holger Boden sind ein Gewinn - er ist einer der wenigen Menschen, mit denen ich mir eine Quellensuche im Kollektiv vorstellen kann.
Wenige Tage darauf erhielt ich dann Post von meinem alterslosen ehemaligen Geschichtslehrer Günter Dickmann. Man muss sich vorstellen, dass Günter Dickmann für mich etwa dieselbe Rolle spielt wie Neil Young für weiland Kurt Cobain. Ein Zeichen dafür, dass es etwas Echtes gibt. Ohne Günter Dickmann wäre ich nicht dort, wo ich heute bin, ich kann das auch hier noch einmal betonen. Manches ist in eine ganz andere Richtung gegangen, als wir uns das vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren vorgestellt hätten - ich werde niemals ein großer Wissenschaftler werden in dieser Weise, aber ich habe meinen eigenen Weg gefunden.

Intentio vera nostra est manifestare ea, quae sunt, sicut sunt.

Bis bald, verehrte potentielle Leserschaft, bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Montag, 16. März 2009

What a mess (5)

Und so sind wir wieder zu Hause, verehrte potentielle Leserschaft - das, was übrig ist von uns nach ich weiß nicht wie vielen Fußkilometern auf dem Boden des Freistaats.



Gestern habe ich nun die Gelegenheit bekommen, den "Mantel der Winde" in den Hohen Hallen der Buchmesse selbst zu präsentieren - es hat einen Riesenspaß gemacht, den wir hier im Bilde festgehalten haben:



Wir waren sehr, sehr angenehm überrascht über die Resonanz beim jungen Publikum. Nicht, dass wir etwa Zweifel gehabt hätten, dass wir gemeinsam mit dem Baumhaus-Verlag und der Illustratorin Anne Bernhardi ein schönes Buch geschaffen hätten. Aber ein gewisses Risiko ist es dann doch, am Sonntag um Viertel nach zehn in die Lesebude in der Jugendbuchhalle zu laden, eine Viertelstunde nach Öffnung der Messepforten für das Publikum. Wenn man irgendwann um 14 Uhr liest, ist das fast ein Selbstläufer - da wird die Bude voll mit fußlahmen Messebesuchern. So kurz nach Beginn dagegen ...



Aber es war toll, zu erleben, wie die Kinder und Jugendlichen (und ihre Eltern) mitgegangen sind. Sogar ein offizieller Messefotograf ist gesichtet geworden - ein Ritterschlag, der mir zum ersten Mal zu Teil wurde. Und wenn mir eine Dame im Anschluss sagt, das sei "besser als jedes Hörbuch gewesen", das freut einen dann natürlich auch.



Mit noch mehr Freude hörte ich dann aber, was meine Frau und Ulrike Dick vom Baumhaus Verlag belauscht haben - Kinder, die nach der Lesung aus der Bude stürmten und ganz aus dem Häuschen ihren Eltern berichteten: "Der Vater von dem Jungen ist ein KATER!!!"



Und ganz besonders toll fand ich, einige junge Gäste von den Lesungen am Freitag (Grundschule Gundorf und Lindenhofschule) gleich noch einmal begrüßen zu dürfen.



Hinterher, beim Autogramme schreiben, kamen dann noch mehr Rückmeldungen. "Der Mantel der Winde", denke ich, hat einen Nerv getroffen. Und es macht einfach Spaß, wenn das Publikum so mitgeht.



Im Anschluss haben wir uns dann noch kurz am Messestand von unseren Baumhäuslern verabschiedet. Auch da durfte ich gleich noch einen "Mantel" signieren, bevor wir uns auf einen kleinen Rundgang durch die Sachbuchhalle machten.



Sehr interessantes Gespräch mit dem Herrn vom Verlag der Hahnschen Buchhandlung, einem der ganz großen Verlag für historische Fachbücher und Quelleneditionen. Höchst interessante Neuerscheinungen: Eine Edition der frühen Lebensbeschreibungen Coelestins V. (Peter vom Berge Morrone), der als alter Freund Wasmods von dem Knesebeck im Altamura-Kosmos eine so große Rolle spielt. Kommt natürlich auf den Wunschzettel. Ebenfalls dabei die Geschichte der Edelherren von Meinersen und das Urkundenbuch des Klosters Medingen, das nach Homeyers Tod leider posthum erscheinen musste. Gut, das ist alles recht speziell, doch ich gehe davon aus, dass die verehrte potentielle Leserschaft sich inzwischen daran gewöhnt hat, dass ich meine Inspiration zuweilen aus recht speziellen Quellen schöpfe.



Über all dies, anstehende Literaturfestivals in den kommenden Monaten, das Hörbuch zum ersten Dorian Grave, die Fortsetzung des Romans, Lesungen aus dem Mantel der Winde undundund ... ich werde berichten.

Aber jetzt heißt es erst einmal chill out und ich bleibe Ihr und Euer


Stephan M. Rother