Sonntag, 30. November 2008

Nachtragend

Betont: nach-tragend, nicht nacht-ragend.

Unwahrscheinlich, dass jemand von Euch und Ihnen, verehrte potentielle Leserschaft, den Titel falsch interpretiert hat, doch es wäre ja immerhin möglich. Die kommende Nacht - 30.11./1.12. - ragt bereits in den meteorologischen Winter. Wär doch der Winter erst vorbei / und wieder grün der Wiesengrund. Noch 62 Tage bis Imbolc - auch in dieser Weise kann man das sehen. Könnt ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch, du bist so schön. Vielleicht lern ich's ja doch noch mal. Wobei, mit Dr. Faust war's gleich darauf vorbei ...

Zum Anlass für meine nachtragenden Worte: Gestern Nachmittag stand eine Lesung aus dem Dorian Grave an. Die Location war eine der Stätten der Handlung, dem Flecken Ebstorf. Einige Momentaufnahmen haben wir im Bilde festgehalten.

Gipfeltreffen der local heroes? St. Mauritius (links), Rother.







Schaufenster der Buchhandlung Nohdurft: "Gegenüber hatte Tobi eine Buchhandlung entdeckt. Das Angebot im Schaufenster war gut sortiert: vor allem gab es jede Menge Lektüre zum Kloster und zu der Weltkarte. Aber sonntags war nun einmal geschlossen."





Nun, die Schokoladenseite. Allmählich fühlt sich selbst beim "Auftritt" Zivilbekleidung wieder heimisch an. Wie war das noch? "Ich bin hindurch".






Die Location war dieselbe wie Ende Oktober - das Publikum ein gänzlich anderes. Damals zwei achte Klassen mit neugierigen Fragen ("Wie hat Tobi das denn gemacht mit den Laternen?"), nun der Heimat- und Kulturkreis. Und siehe da: Die Gemeinde derer, die noch rocken - sie ist gewaltig.

Bis bald an dieser Stelle, Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 29. November 2008

In brief

Ein seltsames Gefühl verehrte potentielle Leserschaft, ist es dann schon, wenn ich mir bewusst mache, dass mit signifikanter Wahrscheinlichkeit in genau diesem Augenblick der eine oder anderen von Euch und Ihnen durch die Seiten des 'Dorian Grave' schmökert und sich gemeinsam mit Leonie Hartheim und ihren Freunden darum ringt, den geheimnisvollen Code des verblichenen Gothrockers zu knacken.

Mit Büchern ist es eine seltsame Sache. Im Grunde sind sie auch nichts anderes als sehr, sehr lange Briefe. Nun, nicht ganz, mag der ein oder andere da einwenden. Briefe oder Mails richtet man ja nun in aller Regel an eine bestimmte Person, und Dritte haben da nicht rumzuschnüffeln. Andererseits war das keineswegs von Anfang an ausgemacht. Wie sieht das mit dem Römerbrief des Paulus aus? Mit unzähligen historischen Briefveröffentlichungen? Nein, das eigentliche Merkmal eines "Briefs" ist im Grunde seine Kürze - entsprechend sind "briefs" im angelsächsischen Sprachraum Unterhosen mit kurzen Beinen.

Heute ist das, zugegeben, alles etwas anders. Briefe sind in der Regel privat, veröffentlichte Romane eben öffentlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Autor nicht einen bestimmten Adressaten im Kopf hätte. Das hat er sehr wohl. Ein Roman als überdimensionaler Brief hat einen Adressaten namens Leser. Im Grunde ist das eine höchst deprimierende Geschichte für den Autor des Romanbriefs: Da gibt es etliche tausend Leser - und kaum einer schreibt mal eben zurück.

Gut, einige Antworten habe ich durchaus bekommen, Besprechungen im Radio, in den Printmedien - und im Internet. Bei Amazon gibt es schon etwas zu lesen, und von Ralf Seybold stammt eine parallel auf www.schreib-lust.de veröffentlichte Rezension, bei der mir dann doch eine Gänsehaut kam. Besonders gefreut habe ich mich auch über die Zeilen von "ilkachen" auf www.lizzynet.de - denn unsere Leser sind ja - wie schon berichtet - "alle, die rocken", und ich bin erleichtert, dass das offenbar eine ganze Menge sind. Ganz gespannt bin ich, wie das Grave-Exemplar ankommen wird, das derzeit in Corrys Jugendbuchregal steht - vielleicht hat es Corry auch gerade am Wickel. Jedenfalls sind solche Antworten für den Romanbrief-Autor ungeheuer wichtig - übrigens ganz gleich, ob sie sich nun überschlagen vor Begeisterung oder ein gerüttelt Maß an Kritik anmerken. Es sind einfach Antworten, und die sind selten.

Obwohl ich natürlich längst an neuen Projekten arbeite, lässt mich der Grave nicht so schnell los. Hin und wieder wandle ich auf den Pfaden, denen auch Leonie und ihre Freunde folgen.

Der "Engelsweg" zum Beispiel ist bis heute eine wunderschöne Wanderstrecke - und der Verlauf hat sich seit den Tagen des dicken Wilhelm nicht wesentlich verändert.

Andere Wege sind gerader, doch ein merkwürdiges Gefühl ist es schon, wenn man dem Surren der Hochspannungsmasten lauscht und sich fragt, sind das wirklich die Hochspannungsmasten? Und ich will mich besser gar nicht daran erinnern, was das für ein Gefühl war, als ich Anfang des Monats nachts zwischen Breitenhees und Weyhausen im Auto unterwegs war. Nebel kam auf - und aus dem Nebel mit Blaulicht das Aufgebot der Staatsmacht. Es war Castor-Zeit und, ja, ich werde auch noch Bilder von dem lauschigen Örtchen einstellen, an dem Hartheim festgehalten wird - wenn sie mich nicht wegfangen.

Nur wohin das am Ende führen soll, das ist die große Frage. Vielleicht ist das, wie Dorian Grave jetzt sagen würde, mehr, als du wissen darfst.

Bis zum nächsten Mal an dieser Stelle bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 1. November 2008

Ich bin hindurch!

Das passende Wort, verehrte potentielle Leserschaft, zum passenden Datum. Der 31. Oktober 1517, der Zeitpunkt des angeblichen Anschlags der 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg, markiert zugegeben erst den Beginn der ungeheuren welthistorischen Entwicklung, die Martin Luthers Reformationsbemühungen auslösen sollten – doch es ist eben auch jenes Datum, das auf den Wormser Reichstag hinführte, an dessen Ende Luther eben dies ausrufen konnte: Ich bin hindurch! Und wenn ich tausend Köpfe hätte, ich würde sie mir eher abschlagen lassen, als zu widerrufen!

Und irgendwie kann ich heute gerade ganz gut nachvollziehen, wie er sich damals gefühlt haben muss. Nun sei es mir fern, das, was ich fabriziere, irgendwie mit den Schriften des Doktor Martin L. vergleichen zu wollen – weder im Positiven noch im Negativen – doch ein Hindurch, das spüre auch ich heute:

„Das Geheimnis des Dorian Grave – Mehr als du wissen darfst“ hat auf der Frankfurter Buchmesse das Licht der Welt erblickt und sollte in diesen Tagen beim Buchhändler Ihres und Eures Vertrauens eintreffen. In Frankfurt, bei den Literaturtagen im altmärkischen Osterburg und an jenem Ort, der im Roman eine solche Rolle spielt, in Ebstorf, haben wir erste Lesungen erlebt – und die Reaktionen übertreffen alle Erwartungen, die ich möglicherweise gehegt habe. Das Interesse ist ungeheuer. Im Frankfurter Literaturbahnhof war sogar ein leibhaftiges Ungeheuer mit dabei: Mein lieber Baumhaus-Kollege Klaus Baumgart war mit seinem neuen Werk „Elli – ungeheuer geheim“ zugegen. Eine wunder- und fantasievolle Geschichte um ein Nachwuchsgespenst, die sicher eine Menge Fans finden wird.

Was nun die Geschichte von Mr Grave anbetrifft: Die Reaktionen machen mir selbst natürlich gehörig Lust, die Story weiterzuerzählen – doch dazu an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Hindurch bin ich aber vor allem durch die letzten Wochen, in denen ein solcher Wust von Terminen anstand, dass es mir schon geraume Zeit davor grauste. Ein „besseres Ereignis-Timing“ forderte die Titanic! (wenn ich mich recht entsinne) zu Zeiten der Wiedervereinigung – dem hätte ich mich in diesem Oktober vollen Herzens anschließen können. Die Grave-Veröffentlichung, mein Bühnenabschied und ganz nebenbei mein vierzigster Jubeltag geballt und massiert. Gut, ich hatte es so gewollt. Ich wollte ganz bewusst eine Zäsur setzen, mir selbst deutlich machen, was ich mit den NÄCHSTEN vierzig Jahren anzufangen gedenke. Dass dieses Vorhaben dermaßen, nun, ereignisintensiv werden würde, dass mir Zweifel zwischendrin kommen würden, ob es diese vierzig Jahre überhaupt noch geben würde – das hatte ich nun nicht geahnt.

Unsere Abschiedsabende auf Burg Bodenteich waren wunderschön und wunderstressig zugleich. Während des Gesprächs mit Holger Boden vom Isenhagener Kreisblatt, in dem ich im April meinen Bühnenabschied ankündigte, hatte ich die Idee entwickelt, in bester Bowie-Tradition tatsächlich auf der Bühne abzuleben. Im Ergebnis haben wir das nun dahingehend variiert, das am Beginn der Darbietung zu den Klängen des Trauermarschs aus der Götterdämmerung bereits die Bahre hereingetragen wird und anschließend die unterschiedlichen Figuren, die ich im Verlaufe meiner Bühnenkarriere verkörpert habe, dem verstorbenen Magister Rother ihre Referenz erweisen. Die Musik durfte dabei natürlich nicht fehlen. Lady Ginevra und ihre neue Band Schafspelz standen freundlicherweise zur Verfügung. Auf einmal war die Sache rund. Womit wir nicht gerechnet hatten, war das immense Interesse der Öffentlichkeit. Gut, wir hatten natürlich auf ein ausverkauftes Haus gehofft – aber dass wir den eilig für den folgenden Tag angesetzten Zusatztermin ebenfalls in Windeseile ausverkaufen würden, das hatte dann doch niemand erwartet. Für mich bedeutete das ein Dutzend Kostümwechsel innerhalb von zwei Stunden, und am nächsten Tag noch einmal von vorn.

Man stirbt nur zwei Mal.

Und so fühlte ich mich am Ende auch. Unerwartet kam da noch die offizielle Ehrung durch den Flecken Bodenteich. Was genau es mit der Ehrengabe auf sich hat, die mir aus den Händen des stellvertrenden Bürgermeisters Werner Schulz verliehen wurde, konnte ich bisher nicht eruieren. Der Förderkreis Burg war vor zwei Jahren der erste Träger dieser Auszeichnung. Der Förderkreis Burg ist eine Korporation – ich bin keine. Vermutlich soll die Ehrung für mein künftiges Wohlverhalten bürgen. Nun, ich will und werde tun, worum ich mich ganz ehrlich immer bemühe – um mein Bestes. Und in den letzten Wochen war das ein tierisch anstrengendes Bestes.



Hier im Bilde die Verleihung - im Bilde festgehalten durch Marc Lücke, der in einem (logo, sehr lesenwerten) Artikel im Isenhagener Kreisblatt berichtete (ich frag gleich noch, ob ich's auch verwenden darf). Bitte anklicken - so sieht man nur den Herrn Bürgermeister. Nicht, dass der nicht an sich sehenswert wäre, aber irgendwie fehlt da noch was.

Doch nun, verehrte potentielle Leserschaft: Ich bin hindurch und gelobe feierlich, die mir verbleibende Kraft fürderhin allem voran dem geschriebenen Wort zu widmen … als bescheidener Arbeiter im literarischen Weinberg des Herrn. Es gibt noch so viele Geschichten, die erzählt werden wollen. Ich erwarte sie voller Spannung und mit einem glücklichen Lächeln, wie es ja vielleicht auch der Doktor aus Wittenberg auf den Lippen getragen hat, als er sich zu seinem Entschluss durchgerungen und allen Anfechtungen widerstanden hatte.

Ich bin hindurch und bleibe bis zum nächsten Mal an dieser Stelle Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 11. Oktober 2008

Für alle, die rocken

„School’s out – for summer! School’s out – forever!“, verkündete weiland Alice Cooper, bei dem sich die Marilyn Mansons unserer Welt noch heute manche Scheibe abschneiden könnten – nicht allein schminktechnisch.
Da bleiben wir, verehrte potentielle Leserschaft, ja beinahe im Bild, wenn wir jetzt den erlösenden Satz vernehmen: „Dorian’s out!“
Monatelang habe ich Euch und Ihnen in den Ohren (oder richtiger: den Augen, denn das Schwergewicht dieses Blogs liegt ja doch auf dem geschriebenen Wort) gelegen mit halb fertigen, möglichen, zukünftigen Projekten. Nun endlich gilt es von Lesbarem zu berichten.


Stephan M. Rother:
Das Geheimnis des Dorian Grave – Mehr, als du wissen darfst
Baumhaus Verlag, Frankfurt 2008
400 Seiten, Hardcover, 14,90 €
ISBN 978-3-83393626-5



Dorian Grave, Sänger der Band „Dead Art“ und legendärer Star der Gothic-Rockszene kommt bei einem Autounfall ums Leben – kurz nachdem er sein erstes Soloalbum angekündigt hat. Zufall – oder etwas anderes? Zufall – oder mehr? Mehr, als du wissen darfst: Ein Satz den Leonie Hartheim zu hören bekommt, die sich gemeinsam mit ihren Freunden auf die Spur ihres Idols setzt, ohne zu ahnen, dass sie sich auf ein wahrhaft lebensgefährliches Abenteuer einlässt.

„Das ist dann also ein Jugendbuch?“, wurde ich diese Woche im Interview gefragt. Ich zögerte. Natürlich, im Mittelpunkt stehen Jugendliche, die der Fährte eines Rockstars nachspüren, und der Baumhaus Verlag, der den Roman veröffentlicht, hat sich (etwa mit den ‚Wilden Kerlen’) einen Namen als Kinder- und Jugenbuchverlag gemacht. Doch so einfach ist die Antwort nicht.
Rock’n’Roll ist einmal als eine hermetisch dichte Welt definiert worden. Als eine eigene Sprache, die nur Teenagern verständlich sei, welche sich in ihr zu verständigen wüssten, die kryptischen Zeichen zu deuten wüssten. Erwachsene ständen dieser Welt und dieser Sprache verständnislos gegenüber. Als ich selbst ein Teenager war, orakelte ein Rezensent, die Band Duran Duran setze in ihrer Musik Frequenzen ein, die einzig von vierzehnjährigen Mädchen wahrgenommen werden könnten. Eine Art Hundepfeife also. Der Vorteil für die Musiker auf der Hand gelegen: Ähnlich wie dem Hundepfeifenden wäre auch Simon le Bon und Konsorten (immerhin junge Herren von Mitte zwanzig) erspart geblieben, dem zu lauschen, was sie da gerade hervorbringen.
Nein, die Sache funktioniert anders und hat immer anders funktioniert. Wobei der Grave-Roman zum Begriff des „Funktionierens“ seine ganz eigene Sichtweise bereithält. Jedenfalls sind die Zeiten des „trau keinem über dreißig“, wenn es sie denn einmal gegeben hat, lange vorbei – schon auf Grund des Umstands, dass diejenigen, die diesen Begriff einst geprägt haben, die Dreißig schon seit einer ganzen Weile hinter sich gelassen haben.
Insofern kann ich den Grave-Roman mit gutem Gewissen Teenagern jeden Alters ans Herz legen. Vierzigjährige Teenager werden es mit demselben Gewinn lesen können wie vierzehnjährige Teenager. My twenty-twenty’s true, wie Debbie Harry sang. Ob sich ein Leser vom Geheimnis des Dorian Grave in den Bann schlagen lässt, ist weniger eine Frage des Alters. Es ist eine Frage der Einstellung.
Vielleicht sagt es auch etwas aus, dass Holger Boden, der bewusstes Interview mit mir führte, die vorangegangenen ca. 2.000 Zeichen mit einem Satz auf den Punkt brachte:
„Also ein Buch für alle, die rocken.“

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen – höchstens noch dies:



Warum ist der Titel instrumental? Wo ist Dorian Grave? Was für eine Frage, verehrte potentielle Leserschaft! Dorian ist t.o.t. – tot.

Aber vielleicht … vielleicht werden uns Dead Art ja überraschen. Mir ist da etwas zu Ohren gekommen … Doch dazu mehr, demnächst, an dieser Stelle.

Keep on rocking,

Stephan M. Rother

Sonntag, 31. August 2008

Inspirationen

Irgendwie, verehrte potentielle Leserschaft, komme ich mit den Tücken des virtuellen Objekts noch nicht hundertprozentig zurecht. Jetzt hatte ich Sie bereits seitenweise an meinen kruden Gedankengänge teilhaben lassen – und dann verschwindet der komplette Sermon, als ich nach oben scrolle, um selbst noch einmal nachzulesen, was ich nun eigentlich geschrieben hatte. Unbefriedigend, aber such is life.
Nun gut, zurück auf Anfang.
Zunächst ein Wort der Beruhigung: Nein, keine Sorge, auch dieses Mal trifft keines der Labels für diesen Post (Roller, Sturz, Urlaub) zu. Meine Gesundheit bewegt sich auf dem gewohnten mediokren Niveau. Von einem „Urlaub“ im eigentlichen Sinne gibt es auch nicht zu berichten, wohl aber – wie der Titel dieses Beitrags nahe legt – von Inspirationen, die sich auf drei Begriffe bringen lassen.

Da war zunächst einmal unser Besuch in Amsterdam. Der Gedanke an einen Roman über die Tulpenspekulation der frühen Neuzeit lässt mich nicht los. Mit Sicherheit nicht unser nächstes oder übernächstes Projekt, aber die Recherche hat begonnen. Weiter gediehen sind meine Forschungen zu Johann Wolfgang von Goethe. Die Figur nimmt immer plastischere Formen an (ich weiß nicht, ob er eine zuverlässige Personenwaage besaß, aber durchaus möglich, dass das zuweilen auch sein eigener Gedanke war). Jedenfalls habe ich Weimar aufgesucht und wollte den Besuch mit einer Aufwartung in Goethes Gruft krönen. Offenbar war er nicht zu Hause:



Schließlich habe ich einige Stunden (!) in Dänemark verlebt. Inkonsequenz, gewiss: Wie kann ein Mensch, der sich dann doch recht vehement für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt und für eine Schonung unserer Ressource einsetzt, sich sechs oder sieben Stunden lang hinters Steuer quetschen, um dann einen Nachmittag lang in Rønshoved am Strand auf und ab zu laufen. Das Zauberwort lautet auch hier – Inspiration. What you give is what you get returned, und Künstler funktionieren bekanntlich nach ihrem ganz eigenen Bauplan. Wie das „what“ da im Einzelfall aussieht, ist nicht vorhersagbar.



Inspirativ auf jeden Fall war der Besuch. "Das Geheimnis des Dorian Grave" befindet sich in der letzten Phase der Fahnenkorrektur. In sechs oder sieben Wochen kann, verehrte potentielle Leserschaft, die Geschichte um das kryptische Soloalbum des Gothic-Rockers Dorian Grave, die Geheimnisse der Ebstorfer Weltkarte und die halb vergessenen Quellen der Lüneburger Heide auf Ihrem Nachttisch liegen. Oder wo auch immer Sie lesen. Ich habe mir in den vergangenen Wochen angewöhnt, einen Teil der Schreib- und Lesearbeit im Stehen an der Arbeitsfläche zu verrichten. Die unerfreulichen Folgen für das Schulter-Nacken-Zipperlein waren abzusehen, aber der Vorteil der veränderten Perspektive (also einer Inspiration im Kleinen) ist nicht zu leugnen. Wir sind jedenfalls alle sehr gespannt darauf, wie dieses Buch bei Euch und Ihnen ankommt. Es steckt eine Menge Herzblut drin, und Harald Kiesel, mein Lektor bei Baumhaus, ist ganz euphorisch. Der Lucky Luke der Verlagswelt übrigens: Der Mann, der schneller lektoriert als sein Schatten.

„Die letzte Offenbarung“, für den Februar bei Blanvalet angekündigt, harrt seit einem Vierteljahr bei der Lektorin der abschließenden Bearbeitung. Viel Zeit für Inspiration.

Zum Abschluss, verehrte potentielle Zuschauer, ein kleiner Hinweis auf einen ersten Ausschnitt aus unserem neuen Programm „Best of Christliches Abendland“ http://www.youtube.com/watch?v=wWCGI7vxMAY (Aufnahme von der Premiere am vergangenen Freitag). Weitere, die dunkle Seite meines Wesens beleuchtende Snippets are to follow.

Viel Spaß dabei wünscht Ihr und Euer

Stephan M. Rother

Sonntag, 6. Juli 2008

Postskriptum

Faszinierend: Der neckische Stift ist wieder da.

Als einen Vorteil des Bloggens ...

... verehrte potentielle Leserschaft, habe ich es bisher betrachtet, dass man Irrtümer nachträglich korrigieren kann. Das muss nicht einmal unsichtbar geschehen, iwo, aber wenn ich feststelle, dass ich einen Schmarrn geschrieben habe, der fiele Vehler enthält, ist es doch erfreulich, wenn diese Fehler nicht zweingen bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben müssen. Meine Manuskripte lese ich ja auch mehrfach durch und gehe sie mit dem Lektorat durch, bevor sie an den Druck übermittelt werden. Ein Lektorat habe ich nun nicht beim Bloggen, aber es gab da eben doch bisher so ein neckisches kleines Stiftsymbol am Ende jedes Eintrags, mit dem sich die schlimmsten Fehlleistungen wieder beheben ließen.

Verschwunden.

Jetzt glaubte ich, einen Umweg gefunden zu haben, über das Dashboard, erhalte im Anschluss an die Korrektur aber lediglich eine Fehlermeldung. I'm not amused.

Nun denn - wir werden sehen. Vielleicht ist der Stift ja irgendwann wieder da. Aber ich warte ja auch bis heute vergeblich auf die Rückkehr der bunten Buchstaben.

Doch eigentlich wollte ich ja etwas berichten, was man mit dem schönen neudeutschen Wort content umschreiben könnte. Zunächst einige Worte zum Stand der laufenden Projekte:

Das Geheimnis des Dorian Grave

Schau an: Wir haben einen Verkaufsrang bei Amazon, obwohl das Buch noch gar nicht gedruckt ist. Das freut einen dann ja. Das Cover wird unter Umständen noch ein wenig verändert, wobei ich das Grave-Konterfei gerne in irgendeiner Form beibehalten würde. Ich denke, dass ich da kommende Woche etwas klarer sehen werde - am Donnerstag gedenke ich nach Frankfurt zu pilgern und im Gallusviertel meinen Verlag heimzusuchen. Am ersten Tag der niedersächsischen Sommerferien rechne ich mit dem Schlimmsten - Leonie Hartheims Reise ins vorhöllenhafte Danlo dürfte sich dagegen wie ein Picknickausflug ausnehmen. Nun, hoffen wir das Schlimmste - ich liebe angenehme Überraschungen.

Die letzte Offenbarung

Wir warten auf die aktuellen Stellungnahmen der Lektorin. Die Wartezeit habe ich mir insofern verkürzt, als ich noch ein paar zusätzliche Ideen nachgeschoben habe, virtueller wie wissenschaftlicher Natur. Schließlich steht im Mittelpunkt ein Wissenschaftler, der eine wissenschaftliche Entdeckung macht - also hätte ich gern einen kritischen Apparat dabei, schon um die Nähe unserer Offenbarung zu den bisher bekannten wissenschaftlichen Tatsachsen deutlich zu machen.

Und dann sind da noch ... genau, die Quellen

In der vergangenen Woche befand sich die Heide anderthalb Tage lang inmitten des ausgeprägten Regenbandes, das sich nahezu ortsfest von Nordwest nach Südost quer durch Deutschland zog. Ich ahnte Schlimmes. Nicht allein, dass wir kurzfristig mit Auswirkungen auf das Quellwasser rechnen müssen, wenn der Boden das zusätzliche Oberflächenwasser nicht so rasch verknusen kann und es umgehend und weitgehend ungefiltert wieder in die Bachläufe abgibt. Das größere Problem sind die Fischteiche, die in einigen Quellbereichen nach wie vor bestehen. Wenn diese Fischteiche überlaufen, werden aus den Stillgewässern allerlei Unerfreulichkeiten in den Oberlauf der Bäche geschwemmt - mit gravierenden Folgen. Dass etwa die Flussperlmuschel heute in exakt nur noch einem Heidebach heimisch ist, nämlich der Lutter bei Weyhausen, ist auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die Sohle der Bäche immer wieder durch den Abraum von Fischteichen zugesetzt wird. Das können die empfindlichen Muscheln nicht vertragen - sie ersticken. Ein fotografischer Bereich, dass ich hier nicht etwa (wie Professor Helmbrecht sagen würde), Blech rede:

Eine Aufnahme aus den "Dahlen", einem Waldgebiet zwischen der B4 und der Ortschaft Stadensen, aufgenommen vierundzwanzig Stunden nach Ende des Dauerregens. Links im Bild der Warlbeck, der durch einem aufgestauten Fischteich läuft, rechts im Bild der Schöneblecksenbach (auch Mönkendieksbach genannt), der direkt von der Quelle her durch sein sandig-kiesiges Bett strömt. Der Unterschied in der Wasserqualität dürfte mit bloßem Auge erkennbar sein. Dabei ist es keineswegs so, dass nicht auch dem Mönkendieksbach nach dem langen Regen zusätzliches Oberflächenwasser zugeführt worden wäre - das beweist unsere zweite Aufnahme.

Dennoch konnte ich das Wasser des Mönkendieksbachs bedenkenlos trinken. Nach immerhin einem halben Liter spüre ich jetzt, weitere vierundzwanzig Stunden später, keinerlei negative Auswirkungen. Da ich hoffe, dass Sie und Ihr, verehrte potentielle Leserschaft möglicherweise noch die eine oder andere Zeile von mir zu lesen wünscht, habe ich darauf verzichtet, das Wasser des Warlbeck zu erproben.



Für heute bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother