Sonntag, 31. August 2008

Inspirationen

Irgendwie, verehrte potentielle Leserschaft, komme ich mit den Tücken des virtuellen Objekts noch nicht hundertprozentig zurecht. Jetzt hatte ich Sie bereits seitenweise an meinen kruden Gedankengänge teilhaben lassen – und dann verschwindet der komplette Sermon, als ich nach oben scrolle, um selbst noch einmal nachzulesen, was ich nun eigentlich geschrieben hatte. Unbefriedigend, aber such is life.
Nun gut, zurück auf Anfang.
Zunächst ein Wort der Beruhigung: Nein, keine Sorge, auch dieses Mal trifft keines der Labels für diesen Post (Roller, Sturz, Urlaub) zu. Meine Gesundheit bewegt sich auf dem gewohnten mediokren Niveau. Von einem „Urlaub“ im eigentlichen Sinne gibt es auch nicht zu berichten, wohl aber – wie der Titel dieses Beitrags nahe legt – von Inspirationen, die sich auf drei Begriffe bringen lassen.

Da war zunächst einmal unser Besuch in Amsterdam. Der Gedanke an einen Roman über die Tulpenspekulation der frühen Neuzeit lässt mich nicht los. Mit Sicherheit nicht unser nächstes oder übernächstes Projekt, aber die Recherche hat begonnen. Weiter gediehen sind meine Forschungen zu Johann Wolfgang von Goethe. Die Figur nimmt immer plastischere Formen an (ich weiß nicht, ob er eine zuverlässige Personenwaage besaß, aber durchaus möglich, dass das zuweilen auch sein eigener Gedanke war). Jedenfalls habe ich Weimar aufgesucht und wollte den Besuch mit einer Aufwartung in Goethes Gruft krönen. Offenbar war er nicht zu Hause:



Schließlich habe ich einige Stunden (!) in Dänemark verlebt. Inkonsequenz, gewiss: Wie kann ein Mensch, der sich dann doch recht vehement für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt und für eine Schonung unserer Ressource einsetzt, sich sechs oder sieben Stunden lang hinters Steuer quetschen, um dann einen Nachmittag lang in Rønshoved am Strand auf und ab zu laufen. Das Zauberwort lautet auch hier – Inspiration. What you give is what you get returned, und Künstler funktionieren bekanntlich nach ihrem ganz eigenen Bauplan. Wie das „what“ da im Einzelfall aussieht, ist nicht vorhersagbar.



Inspirativ auf jeden Fall war der Besuch. "Das Geheimnis des Dorian Grave" befindet sich in der letzten Phase der Fahnenkorrektur. In sechs oder sieben Wochen kann, verehrte potentielle Leserschaft, die Geschichte um das kryptische Soloalbum des Gothic-Rockers Dorian Grave, die Geheimnisse der Ebstorfer Weltkarte und die halb vergessenen Quellen der Lüneburger Heide auf Ihrem Nachttisch liegen. Oder wo auch immer Sie lesen. Ich habe mir in den vergangenen Wochen angewöhnt, einen Teil der Schreib- und Lesearbeit im Stehen an der Arbeitsfläche zu verrichten. Die unerfreulichen Folgen für das Schulter-Nacken-Zipperlein waren abzusehen, aber der Vorteil der veränderten Perspektive (also einer Inspiration im Kleinen) ist nicht zu leugnen. Wir sind jedenfalls alle sehr gespannt darauf, wie dieses Buch bei Euch und Ihnen ankommt. Es steckt eine Menge Herzblut drin, und Harald Kiesel, mein Lektor bei Baumhaus, ist ganz euphorisch. Der Lucky Luke der Verlagswelt übrigens: Der Mann, der schneller lektoriert als sein Schatten.

„Die letzte Offenbarung“, für den Februar bei Blanvalet angekündigt, harrt seit einem Vierteljahr bei der Lektorin der abschließenden Bearbeitung. Viel Zeit für Inspiration.

Zum Abschluss, verehrte potentielle Zuschauer, ein kleiner Hinweis auf einen ersten Ausschnitt aus unserem neuen Programm „Best of Christliches Abendland“ http://www.youtube.com/watch?v=wWCGI7vxMAY (Aufnahme von der Premiere am vergangenen Freitag). Weitere, die dunkle Seite meines Wesens beleuchtende Snippets are to follow.

Viel Spaß dabei wünscht Ihr und Euer

Stephan M. Rother

Sonntag, 6. Juli 2008

Postskriptum

Faszinierend: Der neckische Stift ist wieder da.

Als einen Vorteil des Bloggens ...

... verehrte potentielle Leserschaft, habe ich es bisher betrachtet, dass man Irrtümer nachträglich korrigieren kann. Das muss nicht einmal unsichtbar geschehen, iwo, aber wenn ich feststelle, dass ich einen Schmarrn geschrieben habe, der fiele Vehler enthält, ist es doch erfreulich, wenn diese Fehler nicht zweingen bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben müssen. Meine Manuskripte lese ich ja auch mehrfach durch und gehe sie mit dem Lektorat durch, bevor sie an den Druck übermittelt werden. Ein Lektorat habe ich nun nicht beim Bloggen, aber es gab da eben doch bisher so ein neckisches kleines Stiftsymbol am Ende jedes Eintrags, mit dem sich die schlimmsten Fehlleistungen wieder beheben ließen.

Verschwunden.

Jetzt glaubte ich, einen Umweg gefunden zu haben, über das Dashboard, erhalte im Anschluss an die Korrektur aber lediglich eine Fehlermeldung. I'm not amused.

Nun denn - wir werden sehen. Vielleicht ist der Stift ja irgendwann wieder da. Aber ich warte ja auch bis heute vergeblich auf die Rückkehr der bunten Buchstaben.

Doch eigentlich wollte ich ja etwas berichten, was man mit dem schönen neudeutschen Wort content umschreiben könnte. Zunächst einige Worte zum Stand der laufenden Projekte:

Das Geheimnis des Dorian Grave

Schau an: Wir haben einen Verkaufsrang bei Amazon, obwohl das Buch noch gar nicht gedruckt ist. Das freut einen dann ja. Das Cover wird unter Umständen noch ein wenig verändert, wobei ich das Grave-Konterfei gerne in irgendeiner Form beibehalten würde. Ich denke, dass ich da kommende Woche etwas klarer sehen werde - am Donnerstag gedenke ich nach Frankfurt zu pilgern und im Gallusviertel meinen Verlag heimzusuchen. Am ersten Tag der niedersächsischen Sommerferien rechne ich mit dem Schlimmsten - Leonie Hartheims Reise ins vorhöllenhafte Danlo dürfte sich dagegen wie ein Picknickausflug ausnehmen. Nun, hoffen wir das Schlimmste - ich liebe angenehme Überraschungen.

Die letzte Offenbarung

Wir warten auf die aktuellen Stellungnahmen der Lektorin. Die Wartezeit habe ich mir insofern verkürzt, als ich noch ein paar zusätzliche Ideen nachgeschoben habe, virtueller wie wissenschaftlicher Natur. Schließlich steht im Mittelpunkt ein Wissenschaftler, der eine wissenschaftliche Entdeckung macht - also hätte ich gern einen kritischen Apparat dabei, schon um die Nähe unserer Offenbarung zu den bisher bekannten wissenschaftlichen Tatsachsen deutlich zu machen.

Und dann sind da noch ... genau, die Quellen

In der vergangenen Woche befand sich die Heide anderthalb Tage lang inmitten des ausgeprägten Regenbandes, das sich nahezu ortsfest von Nordwest nach Südost quer durch Deutschland zog. Ich ahnte Schlimmes. Nicht allein, dass wir kurzfristig mit Auswirkungen auf das Quellwasser rechnen müssen, wenn der Boden das zusätzliche Oberflächenwasser nicht so rasch verknusen kann und es umgehend und weitgehend ungefiltert wieder in die Bachläufe abgibt. Das größere Problem sind die Fischteiche, die in einigen Quellbereichen nach wie vor bestehen. Wenn diese Fischteiche überlaufen, werden aus den Stillgewässern allerlei Unerfreulichkeiten in den Oberlauf der Bäche geschwemmt - mit gravierenden Folgen. Dass etwa die Flussperlmuschel heute in exakt nur noch einem Heidebach heimisch ist, nämlich der Lutter bei Weyhausen, ist auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die Sohle der Bäche immer wieder durch den Abraum von Fischteichen zugesetzt wird. Das können die empfindlichen Muscheln nicht vertragen - sie ersticken. Ein fotografischer Bereich, dass ich hier nicht etwa (wie Professor Helmbrecht sagen würde), Blech rede:

Eine Aufnahme aus den "Dahlen", einem Waldgebiet zwischen der B4 und der Ortschaft Stadensen, aufgenommen vierundzwanzig Stunden nach Ende des Dauerregens. Links im Bild der Warlbeck, der durch einem aufgestauten Fischteich läuft, rechts im Bild der Schöneblecksenbach (auch Mönkendieksbach genannt), der direkt von der Quelle her durch sein sandig-kiesiges Bett strömt. Der Unterschied in der Wasserqualität dürfte mit bloßem Auge erkennbar sein. Dabei ist es keineswegs so, dass nicht auch dem Mönkendieksbach nach dem langen Regen zusätzliches Oberflächenwasser zugeführt worden wäre - das beweist unsere zweite Aufnahme.

Dennoch konnte ich das Wasser des Mönkendieksbachs bedenkenlos trinken. Nach immerhin einem halben Liter spüre ich jetzt, weitere vierundzwanzig Stunden später, keinerlei negative Auswirkungen. Da ich hoffe, dass Sie und Ihr, verehrte potentielle Leserschaft möglicherweise noch die eine oder andere Zeile von mir zu lesen wünscht, habe ich darauf verzichtet, das Wasser des Warlbeck zu erproben.



Für heute bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 28. Juni 2008

It's not easy having a good time. Even smiling makes my face ache and my creatures turn on me.

Erholung, verehrte potentielle Leserschaft, kann eine verdammt anstrengende Angelegenheit sein. Kein Wunder, dass sich Schlaganfälle und Herzinfarkte in Urlaubsphasen häufen. Auf einmal hat man wer weiß viel Zeit - was stellt man damit an? Ich entwickle bei dieser Gelegenheit gerne meine Spannungskopfschmerzen. Als ob der Körper anklopfen wollte, um zu sagen: Ok, bis jetzt war Arbeit angesagt. Jetzt bin ich dran, und ich hab was ganz Nettes für Dich. Er hat manchmal einen ekligen Humor, mein Körper.

Was bleibt mir mithin anderes übrig, als auch in der Erholungsphasen zu arbeiten? Das hilft wirklich! Zunächst waren einige Tage mit anstregender körperlicher Arbeit angefüllt. Ich habe mit einer Schippe Sand bewegt, etwa drei Kubikmeter, um unsere Abraumhügel in einen terrassierten Weinberg zu verwandeln. Eine meiner Visionen: Die Wiedereinführung des Rebbaus in der Lüneburger Heide. Im Mittelalter hat es hier Weinberge gegeben; sie mussten aufgegeben werden, als sich die klimatischen Bedingungen seit dem frühen 14. Jahrhundert rapide verschlechterten. Mittlerweile aber haben wir - wohl auch durch die globale Erwärmung - längst wieder eine Jahresdurchschnittstemperatur, die jene des Mittelalters weit übertrifft. Den Versuch ist es wert. Leider kam mir ein paar Tage später ein Unwetter dazwischen. Ein Teil der Terrassen ist also schon wieder weggeschwemmt.

Aber diese körperliche Arbeit ist nur ein Teil meines Beschäftigungsprogramms. Ich gönne mir einen besonderen Luxus, den ich mir nur dann gönne, wenn ich nicht gerade mitten in einem Buchprojekt stecke: Ich lese. Richtig: Ich l-e-s-e. Meine Lieblingsbeschäftigung zwischen meinem sechsten und sechsundzwanzigsten Lebensjahr. Seitdem komme ich kaum noch dazu. Umso weidlicher nutze ich die Phasen aus, in denen das möglich ist. In den letzten Tagen waren die Herren Henning Mankell und Robert Harris an der Reihe. Nun teile ich zwar zugegebenermaßen Herrn Mankells linksliberale Grundhaltung, doch leider gehört der Titel Kennedys Hirn zu den schwächsten Veröffentlichungen dieses wirklich lesenswerten Autors. Da war einfach einiges zu viel: Zu viele gestelzte Dialoge, zu viele unerklärliche Zufälle und einfach auch zu viel weinerliche Betroffenheit. Ich zweifle keinen Augenblick daran, dass die Situation im Süden Afrikas fürchterlich und unerträglich ist, aber ein Roman ist ein Roman ist ein Roman, und er sollte eine Story enthalten, welcher der Leser um der reinen Story Willen mit Interesse folgen möchte. Mankells Wallander-Krimis sind mir dann doch wesentlich lieber.

Natürlich habe ich auch wieder Quellen aufgesucht. In Hösseringen und Suderburg war ich diesmal unterwegs, am aufgestauten Hardau-See und zu einem 2004 errichteten Aussichtsturm, von dem aus der Blick weit über die Gefilde des sagenhaften Danlo gleitet. Ganz nebenbei machte ich eine Entdeckung - und hatte eine Vision. Das wäre ein Pressefoto! Am nächsten Tag war ich wieder da - samt Ehefrau. Das Ergebnis sei hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Heute habe ich mich dann erneut zu einer Quelle aufgemacht: Die Schwindequelle in der Nähe von Amelinghausen war es diesmal - nur ein Steinwurf von Ebstorf entfernt, dessen legendäre mittelalterliche Weltkarte ja eine so große Rolle spielt im Geheimnis des Dorian Grave. Zufällig liefen mir dabei Helmut Völker, der örtliche Samtgemeindebürgermeister, und seine Gattin über den Weg. Wir hatten ein sehr angeregtes Gespräch, und irgendwie habe ich hier tatsächlich das Gefühl, dass das kein Zufall gewesen sein kann. Seltsam: Ich hör da gerade ein fieses kleines Lachen.

Muss wohl Mankell sein.

Bis zum nächsten Mal, verehrte potentielle Leserschaft, bleibe ich Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Freitag, 6. Juni 2008

Tot - aber gut

"Tot, aber gut", verehrte potentielle Leserschaft, das wäre eine angemessene Antwort auf die Frage, wie es mir denn wohl im Augenblick geht. Ganz nebenbei wäre es gleichzeitig ein Zitat aus meinem nun für eine Veröffentlichung im Oktober angekündigten neuen Roman "Das Geheimnis des Dorian Grave - Mehr als du wissen darfst". Mit anderen Worten: Wir sind einigermaßen fertig, mein Roman und ich. Das Manuskript liegt mittlerweile bei meinem geschätzten Lektor vom Baumhaus-Verlag, Harald Kiesel, und ich selbst sollte besser im Whirlpool liegen mit meinem verspannten Nacken, nachdem ich die kompletten vierhundertundzwanzig Buchseiten noch einmal am Bildschirm durchgelesen habe.

Doch, ich denke, es wird ein hübsches Buch werden. Schließlich haben wir inzwischen ein wirklich attraktives Cover und eine ästhetisch ebenfalls sehr ansprechende ISBN, die an dieser Stelle zum Mitschreiben (bzw. einkopieren) wiedergegeben sei: 978-3-8339-3626-5. Noch immer habe ich mich noch nicht so ganz an die 13er ISBNs gewöhnt. Übrigens je nach Auflösung des Akronyms ein falscher Plural. "Internationale Standardbuchnummer", bzw. "-nummern" müsste mit einem Plural -n versehen werden. Referenzieren wir also der Einfachheit halber auf das englische "International Standard Book Number".

Ebenfalls wunderschön geraten ist auch das Design unserer Webseite www.magister-rother.de, das ich erstmals in dreizehn Jahren eigener Webpräsenz aus der Hand gegeben habe (die magister-rother-Präsenz existiert streng genommen erst seit 2001, vorher war sie via t-online und in einer kurzen Episode geistiger Verwirrtheit über eine Mittelalter-Hobbyseite gehostet). Jedenfalls haben wir mit dem Unternehmen Media Emotions einen graphisch ungeheuer einfallsreichen und professionellen Partner gefunden. Wir freuen uns sehr auf diese Zusammenarbeit:



Doch wie gesagt, es gibt die Fertigstellung des Grave-Romans zu feiern. Wie immer, wenn ich ein solches opus magnum abgeschlossen habe, überkommt mich dieses ABBA'sche "Happy New Year"-Gefühl: No more champaigne / and the fireworks are through. Etwas fehlt. Jeder Leser wird dieses Gefühl kennen, am Ende eines Romans - für einen Autor ist es deutlich ausgeprägter. Zunächst einmal ist jetzt Abstand gefragt.

Ein wenig war ich in Sorge. Ich bin eigentlich immer in Sorge gewesen, dass ich eine große Leidenschaft verlieren würde - die Leidenschaft am Schreiben - wenn ich wirklich hauptberuflich als Autor tätig sein würde. Bis heute ist das nicht geschehen; im Gegenteil. Auf einem anderen Blatt stehen meine geliebten Quellen. Nachdem ich sie (neben der Gothic-Musik und der Ebstorfer Weltkarte) dermaßen thematisiert habe im Dorian Grave-Roman, sollte ihnen da nicht etwas von ihrer Anziehungskraft verloren gegangen sein? Sollte das Thema nicht "durch" sein für mich? Auch das ist nicht geschehen. Dazu sitzt die Faszination einfach zu tief. Eine Faszination die sich leider noch immer nicht in die Fußstapfen meines Großvaters zu treten vermag, der den Lesern des Adlers der Frühe als wünschelroutierender Meister Emil vertraut sein dürfte.

Nein, mein Zugang ist ein anderer und wird immer ein anderer sein. Heute hat er, der Zugang, mich nach Bokel geführt, in das Quellgebiet des Bokeler Baches a.k.a. Aue a.k.a. Quellbach der Ilmenau. Infolge der allgemeinen Grundwasserabsenkung entspringt die Ilmenau heute nicht mehr am selben Ort wie vor hundert Jahren, sondern mehrere Höhenmeter (und etliche hundert Meter Fußmarsch) talabwärts. Die eigentliche Quelle - zu identifizieren mit dem höchsten Punkt im Gelände, an dem Wasser austritt, habe ich eventuell an dieser Stelle gefunden:



Allerdings befindet sich diese verwilderte Fleckchen Nicht-Natur unterhalb eines hal künstlichen Badeplatzes, so dass ich davon ausgehen muss, dass das Wasser, das hier austritt, um nach wenigen Metern in den Quellwiesen zu versickern, künstlich an die Oberfläche gepumpt wurde. Mit anderen Worten: Da sollte der Fluss noch gar nicht entspringen. Etwas anders verhält es sich hier:



Hier dürfte es sich um eine Mischung aus Grundwasser, das an die Oberfläche tritt und Oberflächenwasser, das wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht mehr versickern kann, handeln. Ein Abfluss ist allerdings nicht feststellbar. Ein Genuss dieses Wassers ist wohl nur bedingt empfehlenswert - schließlich sind die unmittelbar angrenzenden Weiden nicht unbewohnt:



Auf die Trinkbarkeit des Wassers dürfte der mit den drollig-wolligen Geschöpfen verbundene erhöhte Nitratgehalt eher negative Auswirkungen haben. Zu einem fließenden Gewässer wird die Ilmenau erst ein weiters Stück bachabwärts. Soweit ich es erkennen kann, entspringt der eigentliche Quellbach der Ilmenau einem Teich auf dem Gelände eines Ausflugslokals. Hier tritt er in das Bachbett am Grunde des Wiesentales ein:



Selbiges Ausflugslokal habe ich heute noch nicht aufgesucht, werde es aber im Rahmen meiner selbstverordneten Rekonvaleszenzmaßnahmen in den nächsten Tagen nachholen. Bei dieser Gelegenheit werde ich prüfen, ob der Kaffee mit Quellwasser zubereitet wird. Ich denke, das wird man ihm anschmecken.

Ich werde berichten, verehrte potentielle Leserschaft. Bis dahin aber bleibe ich Ihr und Euer

Stephan M. Rother

Freitag, 9. Mai 2008

Die Crux ...


... besteht darin, dass ich Euch und Ihnen, verehrte potentielle Leserschaft, versprochen habe, während der Arbeit an neuen Romanprojekten regelmäßig über den Fortgang Bericht zu erstatten - und nun stellt sich heraus, dass ich mit steigendem Arbeitspensum sträflich selten zum Berichten komme. Im Grunde kaum verwunderlich. Böse Menschen könnten sagen, zum Bloggen kommen eigentlich nur Leute, die zu wenig zu tun haben.

So weit möchte ich nicht gehen, doch auffällig ist es schon, dass ich mir jetzt die Zeit nehme, nachdem ich nach zweieinhalb Stunden erquickenden Nachtschlafs einmal etwas früher als gewöhnlich an der Tastatur sitze. Also, nutzen wir die geschenkte Zeit ... nein, die geliehene Zeit (Romantitel von Diana Gabaldon) für einen Rundblick auf aktuelle Entwicklungen.

Die Letzte Offenbarung: Der Roman hat die zweite Lektoratsdurchsicht hinter sich. Der Ball liegt also im Augenblick bei mir. Ich bin sehr gespannt auf die neuen Anregungen. Da lektoratsseits anscheinend ein eher behagliches Arbeitstempo gewünscht wird, werde ich zunächst Mehr als du wissen darfst - Das Geheimnis des Dorian Grave fertig stellen und mich dann über die Offenbarung her machen. Bisher habe ich den Eindruck, dass der Roman durchaus gewonnen hat. Es ist spannend, zu beobachten, wie er sich verändert und ständig neue, spannende Aspekte sichtbar werden.

Mehr als du wissen darfst - Das Geheimnis des Dorian Grave: In Wahrheit liege ich bereits in den letzten Zügen mit der Geschichte um Grufti-Guru Grave, wie in der Presse zu lesen sein wird. In der Presse? Nun, verehrte potentielle Leserschaft, man darf gespannt sein: Gemeinsam mit dem Baumhaus Verlag bereiten wir augenblicklich eine Reihe wirklich aufregender, flankierender Projekte vor. Und einige Dinge kann ich bereits ganz konkret sagen: Wir haben ein Cover, hübsch düster zielgruppengerecht. Ein Augenschmaus. Wir haben eine ISBN - und ein voraussichtliches Erscheinungsdatum - den Oktober 2008. Damit wird Mr. Grave noch vor der Offenbarung das Licht der Bücherwelt erblicken.

Natürlich bin ich nach wie vor munter am Recherchieren. Die Uelzener Stadtbibliothek hat sich dabei als Schatzkästlein verstaubter heimatkundlicher Literatur erwiesen - und, so sonderbar das auf den ersten Blick erscheint, genau diese Art von Literatur ist eine ganz wichtige Anregung, wenn ich die absonderlichen Erlebnisse der Leonie Hartheim und ihrer Freunde erzählte. Eine Quellenkunde wieder ganz eigener Art. Ich muss unbedingt noch einmal in den Schooten, einen Forst bei Hösseringen. Diese Gegend habe ich nun wiederholt durchstreift, in weitem Umkreis. Die angefügte Aufnahme des Feuerwachtturms nahe Breitenhees ist dort entstanden. Mit Sicherheit ist dort noch etwas von den Eichenbäumen zu sehen, unter denen man in alter Zeit die Schweine mästete. Full circle wieder einmal: Schon im Adler der Frühe wird von einer Schweinemast berichtet. Meister Emil, der hundertjährige Dorfälteste des Marktfleckens Bodenteich, lebt dort - an einer Stätte, die auf sonderbare Weise zwischen den Welten zu liegen scheint.

Ein Gedanke, dem ich mich verwandt fühle. Lebt nicht ein jeder Schriftsteller ein wenig zwischen den Welten?

Für heute, verehrte potentielle Leserschaft, darf ich mich verabschieden als Ihr und Euer

Stephan M. Rother

Samstag, 12. April 2008

Beim Karten - Legen


In der Letzten Offenbarung äußert sich eine Figur, die mir besonders ans Herz gewachsen ist - nämlich der kauzige Professor Ingolf Helmbrecht - sinngemäß in folgender Weise: "Puzzlespiele sind doch eigentlich langweilig. Man kann sie doch immer nur in genau einer Weise richtig zusammensetzen." Eine gewagte Einschätzung, zumal für einen Wissenschaftler (einen von Weltruf), aber in diesem Fall gehe ich absolut konform mit dem guten Professor: Wäre es nicht viel faszinierender, wenn es auch anders ginge? Wenn es neue, weitere Möglichkeiten gäbe?

Hier wird die historische Wissenschaft zu einem aufregenden Spielfeld, denn die eine Wahrheit, wie ich an dieser Stelle wohl schon erwähnte, die gibt es eigentlich fast nie. Wahrheit ist es immer erst im Nachhinein. Wahrheit muss oft erst mühsam konstruiert werden - aus der Art und Weise, wie wir eine Sache wahrnehmen: Wenn Frau Clinton und Herr Obama sich im Fernsehen ein Duell liefern, kommt es weniger darauf an, wer von beiden in diesen sechzig oder neunzig Minuten die bessere Show liefert (geschweige denn, wer von beiden die besseren Argumente hat), nein: Im Nachhinein äußert eine Hand voll Kommentatoren und medialer Mulitplikatoren ihre Meinung, und so nach ein, zwei Tagen erfahren wir dann, welcher der beiden uns besser gefallen hat: Obama oder Clinton, Merkel oder Steinmeier, Tim oder Struppi.

Ähnlich ist es oft mit der historischen Wahrheit. Natürlich haben sich bestimmte Ereignisse zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Weise zugetragen - doch wenn die eindeutigen Beweise fehlen, wie das exakt aussah, dann wird Geschichte zu Schrödingers Katze. Uropas erstes Auto war dann nicht rot oder blau (wo sind eigentlich diese hübschen bunten Farben geblieben, die man hier bis vor kurzem noch einsetzen konnte?), sondern es war rot und blau. Es war in keinem und in jedem definierten Farbton gehalten - jedenfalls bis wir den einen, unwiderlegbaren Beweis besitzen, dass es nur eine dieser Farben hatte. Und selbst dann gibt es oft noch Menschen, die glauben, widersprechen zu müssen. In unserer Zeit ist Wahrheit seltsam beliebig geworden. Sie ist vor allem eine Frage der Perspektive.

Mit einem anderen Beispiel setze ich mich im Augenblick bei den Recherchen für Mehr als du wissen darfst auseinander: Die schon erwähnte Ebstorfer Weltkarte. Diese etwa 3 Meter 50 im Quadrat messende Kartendarstellung, der neuesten wissenschaftlichen Wahrheit zufolge gegen 1300 entstanden, wurde gegen 1830 auf einem Speicher des niedersächsischen Klosters Ebstorf wiederentdeckt. Sie hat seitdem nicht aufgehört, die Forschung zu beschäftigen. Dass der Fixpunkt des Interesses heute gar nicht mehr existiert, macht die Sache nur noch faszinierender. Die Ebstorfer Weltkarte wurde 1943 in einem angeblich brandsicheren Bunker des Staatsarchivs Hannover ein Raub der Flammen. Lange vorher hatte man sich bereits bemüht, sie fotografisch zu dokumentieren. Diese Aufnahmen waren dann aber retuschiert worden, frühere Abzeichnungen per Hand womöglich zuverlässiger. Die Karte hat, als sie sich zwischen 1834 und 1943 in wissenschaftlich-musealer Obhut befand, wohl stärker gelitten als in den Jahrhunderten der Vergessenheit auf einem Klosterspeicher. Auch die Kopie in Originalgröße, die heute in Ebstorf zu bestaunen ist, gilt als nicht völlig zuverlässig. Jedenfalls: Wilde wissenschaftliche Diskurse liefert man sich um dieses Stück. Bedeutende Teile der Karte fehlen in der Überlieferung komplett, von "Frevlerhand" herausgetrennt, schon im 19. Jahrhundert. Warum geschah das? Warum geschah es so säuberlich? "... es geschah offensichtlich mit Bedacht und unter größtmöglicher Schonung der angrenzenden Bilder", schreibt der wahrhaft renommierte Kunsthistoriker Horst Appuhn. "Also ging es wohl um die darauf gemalten Darstellungen, sei es, um sie zu erhalten, sei es, um sie zu verheimlichen."

Was für eine These von einem Wissenschaftler in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung (KUGLER, Hartmut (Hrsg.): Ein Weltbild vor Columbus - die Ebstorfer Weltkarte. Weinheim 1991). Das hat doch Stoff für einen Thriller.

Es könnte ein Thriller werden.

Für heute bleibe ich Ihr und Euer

Stephan M. Rother