Mittwoch, 28. Oktober 2009

Kritik (aus reiner Vernunft)

Wenn du kritisiert wirst, dann musst du irgend etwas richtig machen. Denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat.
Ein wie ich finde sehr einprägsames und prägnantes Zitat von Bruce Lee. Der konnte ja ziemlich prägnant werden. Und er hat natürlich auch Recht. Aus reiner Vernunft, verehrte Leserschaft, ist es guter Brauch, dass ein Autor zur Kritik an seinen Werken den Mund hält.

Mit Verrissen kann ich recht gut, mit lobenden Worten noch wesentlich besser leben. Letztlich ist ja auch negative Kritik eine Auszeichnung: Wenn mir jemand Wurst ist, oder ich denke, da ist Hopfen und Malz verloren, werd' ich mich gar nicht erst zur Kritik aufraffen. Kritik ist also eine Form von: Du bist mir wichtig. Da hat sich jemand die Zeit genommen, nicht allein mein Buch zu lesen, sondern er sinniert auch gleich noch darüber und teilt uns seine Gedanken mit. Dabei stelle ich eigentlich nur einen einzigen Anspruch an den Kritiker: Er sollte das Buch eben auch wirklich gelesen haben. Ich spreche jetzt nicht von Rezensenten, die glauben, das Buch verdammen zu müssen (1 Punkte-Rezension bei Amazon: Mindestens zwei objektive Unrichtigkeiten. Na, wer findet sie?)



Nein, ich spreche nicht von solchen sprichwörtlichen Peanuts, verehrte Leserschaft. Wir sehen uns hier gegenwärtig Vorgängen gegenüber, die ich einfach nur als haarsträubend bezeichnen würde, wenn ich denn noch Haare hätte:

Am kommenden Freitag, 30. Oktober, werde ich ab 20 Uhr in der Uelzener Buchhandlung Schimmel aus der Offenbarung lesen. Die Presse hat im Voraus berichtet, u.a. gestern mit der Schlagzeile "War Jesus schwul?" Zugegeben, das ist nicht eben understatement, und es ist zudem - was im Artikel dann auch angesprochen wird - nicht die Kernbotschaft des Romans. Dennoch: Die Fragestellung sollte erlaubt sein. Genau das aber sehen offenbar einige Zeitgenossen anders. Drohungen ("Wenn diese Lesung stattfindet, passiert was."), Verunglimpfungen von Mitarbeitern ("unmoralische Person") und ein gewisser unfreiwilliger Humor ("Wenn Sie das wirklich machen, ruf ich die Kirche an.") - alles, wie ich vermute, auf Grund des Artikels, nicht etwa nach Lektüre des Buches!



Bis gestern war ich im Zweifel, ob die Botschaft der Offenbarung in unserer Zeit eigentlich noch eine echte Brisanz hat. Diese Entwicklung aber hat mich - schmerzhaft - eines Besseren belehrt.

Ich behaupte nicht, Jesus sei schwul gewesen! Das Buch ist ein Roman! Und ein Roman ist ein Roman ist ein Roman (frei nach Sappho; passt irgendwie). Wenn ich aber behaupten wollte, Jesus sei schwul gewesen, dürft ich auch das, verdammich! Tu ich aber nicht!

Wir können dann auch gern kontrovers diskutieren. Das wünsche ich mir sogar. Natürlich wird die Lesung stattfinden. Menschen sind auf dem Scheiterhaufen und im KZ gestorben für die Freiheit des Wortes. Da werden wir doch nicht einknicken um einiger Wirrköpfe Willen, die nicht einmal wissen, worüber sie sich beschweren. Ich persönlich halte die Offenbarung, die natürlich zuerst einmal ein hoffentlich spannender Thriller ist, sogar für ein "gläubiges" Buch. Aber um das zu begreifen, sollte man's gelesen haben. Wer den Autor nicht durch den Kauf indirekt fördern will --> Stadtbücherei.
Und Ihr werdet die Wahrheit erkennen. Und die Wahrheit wird Euch frei machen.
Bis demnächst an dieser Stelle, vielleicht ja unter dem Motto "Wenn opus dei zwei Mal klingelt". Oder auch nicht.

Auf jeden Fall bleibe ich bis dahin Ihr und Euer

Stephan M. Rother

Sonntag, 18. Oktober 2009

What a mess (wieder mal) (2)

Und so, verehrte Leserschaft, liegen die heiligen Frankfurter Messehallen für dieses Jahr schon wieder hinter uns. Verehrte Leserschaft, Sie haben richtig gelesen. Nichts "Potentielles" mehr. Nachdem die Letzte Offenbarung nun im Buchhandel liegt (wenn nicht gar bereits bei Ihnen daheim auf dem Nachttisch), und der zweite Dorian Grave-Roman womöglich noch obenauf, fühlt sie sich einfach eine Spur weniger virtuell an, die Leserschaft.



Ganz besonders hat mich natürlich gefreut, dass ich auf der Messe einige Leserinnen und Leser persönlich kennenlernen durfte. Allen voran denke ich da an ... ich denke, ich nenne sie mal "Tess". Tess, müssen Sie wissen, sind im Grunde zwei. Zwei junge Damen, denen wir vergangenes Jahr bei der Vorstellung des ersten Dorian Grave-Bandes erstmals begegnet sind. Irgendwann hatten entweder meine Frau oder ich "Tess" dann in einem Literaturforum aufgespürt, und daraus hat sich ein loser, aber herzlicher Schriftwechsel entwickelt. Entsprechend war ich aus dem Häuschen, als beide Tessen anlässlich des zweiten Grave dann plötzlich wieder vor mir standen. Das Schönste dabei: Die Baumhaus/Lübbe-Gruppe hatte sich ein besonderes Gimmick ausgedacht, eine Verlosungsaktion mit einer sehr, nun, lebhaften Moderatorin. Und wer war unter den Gewinnern? Genau! Es war eine Freude, und das auf allen Seiten. Ein weiteres Dorian Grave-Exemplar ging übrigens sogar hierher, in unsere Heideheimat, und zwar an eine bekennende Kettenleserin. Sogar auf ihrem T-Shirt bekannte sich die junge Dame zu ihrem ungewöhnlichen Laster. Ein mutiger Schritt! :D Gleich im Anschluss ging es dann weiter zu einem Fototermin mit einem Herrn von der dpa, der mich mehrfach ermahnen musste, doch noch eine Spur strahlender zu lächeln. Dabei hatte ich - siehe Anlage - so intensiv geübt.



Treffen über Treffen: Am cbj-Stand sehr guten Kaffee mit meinem Freund und Agenten Thomas Montasser und seinem Sohn Philipp, dem kommenden Kryptologie-Genie. Wir grübeln heuer gemeinsam über Schandtaten zur Fortsetzung der Letzten Offenbarung. Bei Blanvalet hatte uns am Freitag ja bereits Urban Sugar Ray Hofstetter begrüßt. Gestern nun stand dort Pressearbeit auf dem Programm. Aber was heißt "Arbeit", wenn man so sympathisch von der Pressedame Frau Kunzelmann in Empfang genommen wird? Mit Herrn Sterzik von der Neuen Osnabrücker Zeitung (und einigen anderen Medien) hatten wir ein sehr gutes Gespräch. Ich freue mich natürlich, wenn sich gerade die Presse so intensiv mit der Offenbarung auseinander setzt - weil dieses Buch eben mehrere Ebenen hat. Weil ich das Buch für wichtig halte, über das Thrillpotential hinaus. Wie würde die Kirche denn Ihrer Meinung nach auf eine solche Offenbarung reagieren, wurde ich gefragt. Das war eine sehr gute Frage - und sie hat mich wieder einmal zum Nachdenken gebracht.

Am Samstag hat uns außerdem Matthias Fedrowitz über die Messe begleitet, einer meiner eifrigsten Betaleser, der seit der Offenbarung und über beide Grave-Bände hinweg dabei ist. Seine Idee war es auch, in einer der (leider zu kurzen und zu wenigen) Pausen die Akrobaten aus dem Gastland China aufzusuchen. Wirklich sehenswert - nur als ich den Drachen sah, musste ich gleich wieder an den zweiten Grave denken, und vorbei war's mit der Entspannung. Bei der Lübbe-Baumhaus-Präsentation waren dann noch einmal ganz besondere Gäste dabei: das Team aus der Stadtbücherei Espelkamp, wo ich kommenden Monat den "Fluch des Dorian Grave" präsentieren werde. Eine Freude - und ein Wiedersehen, hat meine Frau doch eben dort ihre Ausbildung erlebt und ich habe sehr schöne Erinnerungen an das ungewöhnliche ostwestfälische Städtchen.



Bevor es nun aber zu pittoresk wird: Die Messe war ein Erlebnis - und irgendwie auch ein "Überlebnis". Ich fühl mich mindestens so untot wie Dorian Grave und möchte an dieser Stelle nur noch einmal allen von Euch und Ihnen danken, mit denen ich tolle Gespräche hatte und mich bei allen entschuldigen, für die ich einfach nicht die Zeit hatte, die ich gerne hätte aufbringen wollen. Beim nächsten Mal ... ganz bestimmt :)

Ansonsten aber bleibe ich wie immer bis bald an dieser Stelle Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Samstag, 17. Oktober 2009

What a mess (wieder mal)

Und so, verehrte potentielle Leserschaft, sind wir nun in Frankfurt angelangt, pünktlich zur Präsentation des Dorian Grave'schen Fluchs wie der Letzten Offenbarung. Welch ein Erlebnis! Der Baumhaus-Stand musste von gefährlich aussehenden Beamten bewacht werden, total uninformiert ... oops. Ein n zu viel. "uniformiert" meinte ich. Sprachechöre, kreischende und weinende junge Mädchen, sobald wir auftauchten.

Leider nicht meinetwegen, sondern weil mein lieber Kollege Klaus Baumgart und Til Schweiger ihr Buch "Keinohrhasen" präsentierten. Wir präsentieren ja erst heute. Hoffentlich sind die Mädels bis dahin wieder bei Stimme.



Anbei aber zumindest ein erster Eindruck von Blanvalet. Urban (dessen übrige Vornamen unbekannt bleiben müssen) Hofstetter und meine Wenigkeit vor drei Spalten Letzter Offenbarung. Bisher bin ich von keiner dunklen Gestalt angegriffen worden. Der einzigen, die mir über den Weg lief (Wolle Hohlbein mit Sonnenbrille) konnte ich eben noch ausweichen.

Ob das heute auch so glimpflich abgehen wird? Ich werde berichten, verehrte potentielle Leserschaft und bleibe bis dahin Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Dienstag, 13. Oktober 2009

Ausgeliefert

Nun also, verehrte potentielle Leserschaft, ist der Tag gekommen: Seit gestern wird mein bis dato wahrnehmbarstes "Oeuvre" (wie die regionale Presse formulierte),
Die letzte Offenbarung
nämlich, an den Buchhandel verschickt. Ausgerechnet in derselben Woche wie der neue Colt Seav... Sorry, der neue Dan Brown natürlich (regelmäßige Leser werden sich an einschlägige fiese Bemerkungen an dieser Stelle erinnern).



Ich gestehe ganz offen, dass ich einigermaßen aufgeregt bin: Wie wird ein Buch, das so eindeutig Publikumstitel ist, im Handel ankommen? Wird die ganz große Leserschaft sich im selben Maße von der Geschichte fesseln lassen wie ich selbst? Ist die Story im Kopf des Lesers so gewaltig wie in meinem eigenen? Und haben wir ausreichend caffè im Haus, falls die Herren von Opus Dei oder von der Pius-Bruderschaft reinschauen? Jedenfalls war's eine hübsche Koinzidenz, dass pünktlich zur Veröffentlichung der Bausparvertrag fällig wurde. Mit so einer neuen Sicherheitstür fühlt man sich doch irgendwie ... sicherer.

Und wärmer, sowieso. Ich meinte eben schon zu meiner Frau, der Winter stände ja jetzt vor der Tür. Wie sich dann herausstellte, war es aber doch der Kater ... Ja, Mephi, den ich Euch und Ihnen vor einigen Wochen vorgestellt habe. Er ist nun tatsächlich fest bei uns eingezogen - ich denke, das kann man so ausdrücken (von vorn nach hinten: Max, Mephisto, Maddy. Und, ja, das ist "die Bettwäsche von IKEA).



Aber Winter hin oder her: Das Fortschreiten der Jahreszeit ist kaum zu leugnen. Ein klein wenig beneide ich unseren Amadeo Fanelli, der "auf den Straßen des sonnigen Rom flanieren" kann, wie Professor Helmbrecht es in einer für einen der Nachfolgebände bestimmten Szene ausdrückt, an der ich gerade arbeite. Ich habe mir überlegt, dass diejenigen Leser, die vielleicht in diesen Tagen durch die Lektüre der 'Offenbarung' auf dieses Blog aufmerksam werden, an dieser Stelle möglicherweise auf die ein oder andere Hintergrundinformation zur Entstehung des Romans hoffen. Wenn Sie also bis hier gekommen und nicht spätestens bei der Katzengeschichte abgesprungen sind: Ja, ich hab das im Hinterkopf. Schauen Sie bei Interesse doch auch einmal auf die Blogeinträge aus den ersten Monaten des vergangenen Jahres (Januar/Februar 2008).

Je mehr ich drüber nachdenke, desto verführerischer wird die Vorstellung, wieder einmal "vor Ort" an einem Roman zu arbeiten. Bei den Mystery- und Gothic-Thrilern um die Fans des Schockrockers Dorian Grave ist das ja keine Kunst: Die spielen hier in der Region. Bei den Amadeo Fanelli-Geschichten verhält sich das etwas anders. Leider ist es mir in den letzten Jahren nicht gelungen, die Ewige Stadt noch einmal aufzusuchen. Lediglich die Rom-Szene am Beginn meines ersten Mitteltalter-Thrillers, "Der Adler der Frühe", ist auch tatsächlich in Rom entstanden. Doch ich glaube ganz ernsthaft, dass niemand, der die Hauptstadt der römisch-katholischen Christenheit einmal besucht hat, sich ihrem Zauber so ganz entziehen kann. Mir jedenfalls ging es so in dem kleinen Hotel in Prati, von der Via Oddone bzw. von Trastevere aus betrachtet also auf der anderen Seite des Vatikan. Vermutlich abgebrannt am Beginn des Romans. Schade eigentlich.

Das sind, zugegeben, noch nicht eigentlich Hintergrundinformationen - aber vielleicht haben Sie ja Lust, sich das aus erster Hand (oder: erstem Mund) anzuhören. Auf der Buchmesse möglicherweise? Wir werden von Freitag bis Sonntag vor Ort sein (Anmerkung an Opus Dei: Gebt's auf. Wenn wir nicht da sind, hat jemand ein Auge auf das Haus, und Mephi kann verdammt ungemütlich werden, wenn jemand sein Revier betritt, der da nicht hingehört.) Samstag um die Mittagszeit steht am Blanvalet-Stand ein Interviewtermin an, und ab 15 Uhr lese ich dann am Baumhaus-Stand (Halle 3.0 Stand C 142) aus dem "Fluch des Dorian Grave". Vielleicht sehen wir uns ja? Ich würde mich freuen.

Und ansonsten bleibe ich bis demnächst an dieser Stelle Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Montag, 31. August 2009

Mephi, Matschie, Machiavelli

Keine Sorge, verehrte potentielle Leserschaft: Ich beabsichtige nicht, mich künftig an dieser Stelle in die Niederungen der Politik zu begeben - ich bemühe mich vielmehr nach Kräften, auch fürderhin möglichst spannend zu schreiben. Doch mir kam heute irgendwie in den Sinn, dass es eigentlich ein Armutszeugnis ist, wenn die schreibende Journaille nicht auf ein Wortspiel kommt, nach dem die Umstände wirklich schreien. Zum Hintergrund: Herr Matschie aus dem schönen Thüringen fährt ein achtzehn Prozent-Ergebnis ein, möchte sich gerne mit einem seiner Mitbewerber zusammentun, der fünfzig Prozent mehr bekommen hat - aber nur, wenn er, Matschie, dabei an der Spitze stehen darf. Eine irgendwie durchschaubare Begründung gibt es nicht - wenn's um Moral ginge, müsste man entweder ganz oder gar nicht. Also geht um Macht, frei nach dem berühmt-berüchtigten Staatstheoretiker der Renaissance, Niccolo Machiavelli. Machiavellismus also, oder hier: Matschieavellismus. Eine zugegeben nicht erschöpfende Durchsicht der Tagespresse zeigt: Kein Mensch macht dieses Wortspiel. Warum? Ist die schreibende Zunft zu rammdösig? Traut man dem Leser nicht zu, den Zusammenhang zu begreifen? Erfreulich ist keine der Alternativen.

Das fiel mir gerade noch am Rande ein, als mir bewusst wurde, dass ich Euch und Ihnen unbedingt noch ein Bulletin meines Lebens & Strebens im vergangenen (und noch eine knappe halbe Stunde vergehenden) Monat zukommen lassen wollte.

Zunächst eine ganz private Sache: Wir haben Zuwachs. Gut, er ist schon ein älterer Herr. Wir haben ihn Mephisto genannt (er hat ein bisschen was von Brandauer). Auf einmal war er hier, halb verhungert und mit einer üblen Bronchitis. Unsere Tierärztin (Frau Dr. Janssen, Bad Bodenteich - an dieser Stelle meine ausdrückliche Empfehlung für alle lokalen Tierhalter) schätzt ihn auf etwa zehn Jahre. Trotz wirklich intensiver Bemühungen ist es uns nicht gelungen, herauszufinden, wo er herkommt. Er hat blaue Tätowierungen in den Ohren, die aber zu verwaschen sind, um sie noch zu lesen.
Bisher habe ich mich ja bemüht, an dieser Stelle keine rein privaten Themen anzusprechen, aber in diesem Fall ... Vielleicht ist das ja doch noch eine letzte Chance für eine "Familienzusammenführung" (obwohl ich Mephi sehr vermissen würde). Jedenfalls, das ist er:



Er ist ein massiges Kerlchen, und er war mal sehr, sehr propper (und wird es auch gerade wieder). Definitiv die größte Hauskatze, die ich je gesehen habe. Und ein gutmütiges Kerlchen. Sehr inspirierend - alle unsere Katzen inspirieren mich, aber Mephi ist doch etwas Besonderes. Er hat etwas unglaublich Gemütliches an sich, und ich freue mich, dass er sich offenbar entschlossen hat, seinen Lebensabend bei uns zu verbringen. Jedenfalls zeigt er keinerlei Interesse, noch einmal eine Tatze vor die Tür zu setzen.

Gegenwärtig lebe und strebe ich ja wie schon berichtet den zweiten Amadeo Fanelli-Roman an, die Fortsetzung der Letzten Offenbarung, demnächst (inzwischen kann man das wohl so sagen; auf der Buchmesse wird sie zu bewundern sein) in der Buchhandlung Ihres/Eures Vertrauens. Nachdem das erste Exposé, das ich durchaus schon mit Liebe und Sorgfalt gestaltet hatte, doch ein wenig arg nach "Abenteuerroman" klang, habe ich mir das Ganze noch einmal vorgenommen, um den Thrillfaktor zu erhöhen. Eigentlich mag ich ja keine ZU spannenden und unheimlichen Geschichten. Viele Leute erzählen, dass ihnen ganz anders wird, wenn sie irgendwelche Horrorgeschichten lesen. Haben diese Leute eine Vorstellung, was es für ein Gefühl ist, diese Dinger zu schreiben? Aber gut, Stephen King bin ich nicht (nachdem ich kürzlich ja schon aufgezählt habe, wer ich alles nicht bin). Doch die Dorian Grave-Sache war ja schon unheimlich genug, der zweite Teil, der Fluch, ist es auch, und die Offenbarung ... aber die soll die verehrte potentielle Leserschaft jetzt bitte erst einmal konsumieren.

Im zweiten Teil, dem Babylon Virus sitzen meine Protagonisten im Moment gerade im Flieger und unterhalten sich über Jean-Francois Champollion, den ungen Mann (er wurde auch nicht sehr alt), der die ägyptischen Hieroglyphen entziffert hat. Ein sehr spannendes Thema. Erst im Laufe der Recherche habe ich mich wieder intensiver mit dieser Materie beschäftigt, die mich in meiner Jugendzeit wirklich fasziniert hat. Es gab da ein Buch von Philipp Vandenberg (ich glaube, so hieß er) über unheimliche Ereignisse und Zusammenhänge rund um die Pyramiden. Irgendwie ist alles retro im Moment - ich warte stündlich darauf, dass aus meinem schütteren Schädel wieder Haare sprießen.

Doch noch stehen wir am Anfang unserer neuen Story. Das Exposé für die ersten zweihundert Seiten hat inzwischen sehr konkrete Form. Ich denke, dass es da flott voran gehen wird. Wenn das wirklich so geschieht, sollte ich bis zur Buchmesse schon ein gerüttelt Maß absonderlicher Ereignisse zusammen haben. Doch dazu werde ich dann im Rückblick berichten.

Für heute bleibe ich wie immer einstweilen Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Freitag, 31. Juli 2009

Man hat sich bemüht

Ein zweiter Teil, verehrte potentielle Leserschaft, ist immer eine etwas merkwürdige Angelegenheit. J.D. Salinger hat bekanntlich vor kurzer Zeit alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um die von einem schwedischen Autor geplante Veröffentlichung einer Fortsetzung seines catcher in the rye zu verhindern. Nun hat man von Salinger seit etwa einem halben Jahrhundert quasi ausschließlich im Kontext gerichtlicher Auseinandersetzungen gehört, und ... Jedenfalls: Es gibt Autoren, die schreiben den zweiten Teil eines Romans selbst, und sie tun es sogar ganz freiwillig.

Wer meine Postings an dieser Stelle in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß, dass auch mich in der ersten Jahreshälfte ein solcher zweiter Teil umgetrieben hat - der Fluch des Dorian Grave in diesem Fall, ein neues Abenteuer um Leonie Hartheim und ihre Freunde, allesamt Fans des namengebenden, verblichenen Goth-Rock-Idols Dorian Grave. Seit Mitte Juli flucht jetzt mein Lektor Harald Kiesel ob dieses Elaborats. Ich bin schon äußerst gespannt auf seine Anmerkungen und bereite mich derweil ... nein, nicht auf einen dritten Teil vor (den wird es in dem Moment geben, in dem die Story von Neuem Anlauf nimmt und mich, frei nach Wolfram von Eschenbach, anspringt). Nein, ich arbeite zwar an einer Fortsetzung, verwandle mich dabei aber wiederum von einem sechzehnjährigen Gothic-Teenie in einen Restaurator von Mitte dreißig. Mit anderen Worten: Amadeo Fanelli ahnt noch nicht, welch neue Fährnisse seiner harren, aber ich ahne es. Eigentlich ist es sogar mehr als eine Ahnung. Exakt handelt es sich um ein vierseitiges detailliertes Exposé, an dem ich in diesen Tagen letzte Hand anlege. Sobald ich zufrieden bin, wird's Ereignis. Wahrscheinlich werde ich dazu in den kommenden Tagen noch einmal das Pergamon Museum aufsuchen.

Solche Inspirationen, die verehrte potentielle Leserschaft kann das ja regelmäßig verfolgen, sind wichtig für mich. Ich muss visualisieren. Ich muss ein Bild im Kopf haben, einen Klang, einen inneren Soundtrack zu dem Buch, an dem ich gerade arbeite. Für das neue Projekt könnte das Depeche Modes Songs of Faith and Devotion sein, eine Veröffentlichung, die so inspiriert und spirituell ist, wie es das aktuelle Album (Sounds of the universe) gerne wär'. Natürlich gibt es daneben ständig weitere, neue Anregungen durch Wort, Bild und Klang. Ich werde häufig gefragt, was ich eigentlich selbst lese. Einige Rezensenten scheinen besessen von der Vorstellung, ich würde Dan Brown rauf und runter studieren, dabei kenne ich ausschließlich die erste CD einer Hörfassung eines seiner zwei oder drei Bücher ... Eine obskure Geschichte über einen Einbruch im Louvre, bei dem die Protagonisten entkommen, indem sie irgendwie einen Sender oder ein Handy auf einen vorbeifahrenden LKW schmeißen und sich selbst im stillem Kämmerlein verstecken. Mit Verlaub, aber das gab's bei Colt Seavers jede Woche im Vorabendprogramm. Und die Story als solche - sie wird ja ausreichend kolportiert. Ich vermag nicht nachzuvollziehen, was daran reizvoll sein soll nach Umberto Eco. Wenn ich Eco und Colt Seavers kenne, was brauch' ich noch Herrn Brown? Vermutlich kennen seine Leser weder den einen noch den anderen. Sonst habe ich keine Erklärung.

Ich glaube, dass neue Ideen wichtig sind. Eine Geschichte, die von innen kommt, und in der der Autor so viel von sich gibt, wie er nur kann. "Man hat sich bemüht" lesen wir auf dem Grabstein von Willy Brandt, und ich finde, das kann von jedem Menschen erwartet werden zu jeder Zeit. Aus welcher Perspektive man meine Geschichte dann verfolgt, ist gar nicht so wichtig. Wenn es eine gute Geschichte ist, kann ich sie als Unterhaltungsroman lesen oder von mir aus auch als Literatur (wobei ich weder Walser, noch Böll, weder Grass, noch Frisch bin. Ich bin nicht mal Daniel Kehlmann. Aber Arno Schmidt, den mag ich, vielleicht weil er vor vierzig oder fünfzig Jahren an den gleichen Orten gewandert ist, an denen ich heute unterwegs bin, und uns gemeinsame Inspirationen verbinden).

Anfang der Woche waren wir an der Quelle an der Rückseite des Uelzener Krankenhauses, an der vergangenes Jahr die Bilder zum ersten Grave Video entstanden sind. Ein Eindruck, der mich ins Grübeln gebracht hat.

Der Blick im Juli 2008 - und im Juli 2009:



Erschreckend? Erschreckend.

Doch beim Erschrecken darf es eben nicht bleiben. An dieser Stelle müssen wir anfangen, uns Mühe zu geben.

Darüber, verehrte potentielle Leserschaft, werde ich in Kürze an dieser Stelle berichten und bleibe bis dahin Ihr und Euer


Stephan M. Rother

Sonntag, 14. Juni 2009

Spätlese


Welches Bild, verehrte potentielle Leserschaft, macht sich der durchschnittlicher Leser eigentlich vom Alltag eines durchschnittlichen Autors? Gegenfrage: Den durchschnittlichen Leser, gibt es ihn? Und wenn ja - hätte er einen besseren Autor verdient als einen - eben - durchschnittlichen? Und umgekehrt.


(Im Bild: Klaus-Dieter Lindeck vom Kunstverein Meißen bei der Anmoderation zum "Dorian Grave")

Die Einstiegszeilen mögen, zugegeben, noch eine Spur wirrer anmuten als das an dieser Stelle Gewohnte. Wie kommt's?


Nun, zum Einen sicherlich eine Folge literarischen Overkills nach einem Wochenenden auf dem Literaturfest Meißen im Freistaat Sachsen, von dem ich samt Gattin just zurückkehre um spätlesetechnisch Zeugnis abzulegen.


Zum Anderen dürfte meine heutige Lesung aus dem "Mantel der Winde" ihren Teil beigetragen haben, die ich wider Anraten selbiger (nämlich der im vorangegangenen Satz versteckten Gattin) oben ohne absolvierte, so dass einstweilen noch nicht abschließend beurteilt werden kann, was die Sonne Sachsen im schütteren Schädel des Schreiberlings angerichtet hat.


Ich möchte diese Zeilen vor allem nutzen, um mich noch einmal ganz herzlich beim Publikum in Meißen und den Veranstaltern vom Kunstverein und ihren Partnern zu bedanken - dafür, dass sie dieses spannende und ambitionierte Projekt ins Leben gerufen haben und für die gastliche Aufnahme in der "Wiege Sachsens". Liebe Meißener, Ihr seid toll!


Es war eine tolle Erfahrung im Ambiente des historischen Meißener Marktes und eingerahmt von Profis aus Entertainment (die sympathische Puppenspielerin und Autorin Sabine Winter), Politik (Bundesminister de Maiziere) und Entertainment und Politik (Schauspieler und Ex-Bundespräsidentenkandidat Peter Sodann) vom Geheimnis des Dorian Grave und den Fährnissen rund um die Suche nach dem Mantel der Winde zu berichten.


Historische und Fantastische Literatur stand im Mittelpunkt der insgesamt viertägigen Veranstaltung. Dabei kamen von visionären Klassikern wie der divina comedia bis zu Genreveröffentlichung a la Joanne Rowling/Thomas Finn/Iny Lorentz die unterschiedlichsten Ansätze zu ihrem Recht. Ein ganz großes Bogen also, ein wahrhaft weites Feld ... Es ist ein wirklich tolles Gefühl, ein kleines Rädchen in diesem (im wahrsten Sinne des Wortes) fantastischen Kosmos gewesen zu sein. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.


Während ich mich nun bereit mache, das glühende Haupt mit einer Quarkpackung zu kühlen, bleibe ich bis zum nächsten Mal Ihr und Euer


Stephan M. Rother